Papas & Opas

Wie man Kindern ein Haustier ausreden kann

Die Kinder von Felix Müller wollen ein Haustier haben, seine Frau und er lieber nicht. Für dieses Problem gibt es eine elegante Lösung.

Foto: pa/Montage BM

Berlin. An dieser Stelle habe ich bereits mehrfach über das Projekt Meerschweinchen berichtet. Hier ein kurzes Update. Meine achtjährige Tochter wollte einen Hund haben, weil ihre Freundin auch einen hat. Ich sah keine Möglichkeit, das Tier artgerecht zu halten. Ich sagte also nein.

Statt Hund nun ein Meerschweinchen als Haustier

Der Untergang des Abendlandes war die Folge. In den Schimpfgewittern und Tränenbächen meiner Tochter sah ich mich gezwungen, dem Kauf eines Meerschweinchens zuzustimmen. Meine kluge Frau sagte, es sei vielleicht sinnvoll, ein Meerschweinchen aus dem Tierheim zu nehmen und nicht eins von irgendeinem Züchter. Also fuhren wir vor ein paar Wochen einmal hin.

Ich hatte mir vage ein paar Flachdachgebäude und einen Hundezwinger vorgestellt, aber wir landeten in Europas größtem Tierheim. Es liegt am Hausvaterweg in Lichtenberg und verfügt über eine Fläche von 16 Hektar, das sind ungefähr 22 Fußballfelder.

Ich konnte den Überblick nicht behalten, deshalb habe ich auf der Website nachgesehen: „Es gibt vier große Katzenhäuser, sechs große Hundehäuser, ein Kleintierhaus sowie ein großes Gehege für freilebende Katzen. Hinzu kommt der Tierschutz-Bauernhof für sogenannte Nutztiere wie Schweine, Ziegen, Schafe, Gänse und Hühner sowie eine Exotenstation für Reptilien, Affen und andere exotische Tiere.“

Kein Meerschweinchen-Paar verfügbar

Jedenfalls betraten wir ein Haus, an dessen Tür „Bugs Bunny“ stand. An einer Galerie aus Hasen- und Meerschweinchenställen trafen wir auf eine sehr nette Mitarbeiterin des Tierheims. Sie erklärte uns, es sei gerade kein Meerschweinchen-Paar verfügbar.

- Stop, wieso jetzt ein Paar?, fragte ich.

- Man hält die am besten paarweise. Allein vereinsamen die. Am besten ist allerdings ein Dreiergespann. Also zwei Weibchen und ein kastriertes Männchen.

Mir drängten sich dazu allerlei bescheuerte Witze auf, aber ich hielt mich zurück. Erstens war ich mir sicher, dass die Mitarbeiterin solche Witze schon mal gehört hatte. Und zweitens braute sich im Gesicht meiner Tochter gerade das finsterste Unglück zusammen. Sie würde ohne Meerschweinchen nach Hause gehen, ihre Hoffnungen waren zu Staub zerfallen. Ich sah ihre Unterlippe beben.

- Hey, du musst auch die gute Seite sehen.

- Was bitte ist daran gut?

- Na ja, du hattest mit einem Tier gerechnet. Jetzt sind es zwei!

Respekt vor der Arbeit der Mitarbeiter

Tatsächlich konnte sie das ein bisschen aufheitern, und so machten wir noch einen halbwegs gut gelaunten Spaziergang durch das Tierheim. Im Katzenhaus gibt es ganz erstaunlich große Gehege, eingerichtet wie Wohnzimmer, komplett mit Sessel, Teppichvorleger und Katzenbaum. In den Hundezwingern sahen wir ein paar Tiere, vor denen ich Angst bekam. Ich verließ das Tierheim mit erhöhtem Respekt vor der Arbeit seiner Mitarbeiter.

Inzwischen sind ein paar Wochen ins Land gezogen, aber wir haben immer noch keine Meerschweinchen. Die Ausrüstung ist komplett vorhanden: Ein Freilauf- und ein Schlafgehege, letzteres säuberlich ausgestreut. Sogar eine Tragebox haben wir.

Ein Kunstgriff meiner klugen Frau

Aber der Ehrgeiz meiner Kinder ist erlahmt. Das liegt an einem einfachen Kunstgriff meiner klugen Frau: Sie hat den beiden gesagt, sie müssten die täglichen Anrufe im Tierheim mit der Frage, ob nun Meerschweinchen zu haben seien, schon selbst erledigen, das sei nicht ihre Aufgabe. Meine Kinder haben aber keine große Lust, das zu tun. Ob es kindliche Scheu vor den Tierheimleuten oder Unlust an der antiquierten Kommunikationsform Telefonat ist, kann ich nicht genau sagen, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem.

Rocky Alexander sollte das eine Meerschweinchen heißen, das andere Snoopy und möglicherweise sind beide unsterblich – weil sie nur in der Vorstellung zweier Kinder existieren, die dann plötzlich auf andere Ideen gekommen sind. Ich finde, bessere Meerschweinchen kann es gar nicht geben.