Opas&Papas

Zu Besuch beim Gestreiften Sergeant

Im Aquarium gefallen Linus Haie und Fische aus dem Amazonas ganz besonders. Aber fröhliches Fröschesuchen macht auch Spaß.

Enkel Linus gefällt besonders der Fisch Gestreifter Sergeant.

Enkel Linus gefällt besonders der Fisch Gestreifter Sergeant.

Foto: pa/Montage BM

Wo ist bloß der Dreistreifen-Baumsteiger? Linus, sein Papa und ich drücken uns die Nasen platt an seinem Terrarium, doch wir können den kleinen Kerl partout nicht entdecken. Wir müssen wohl doch geschafft sein. Fast zwei Stunden sind wir im Aquarium, inzwischen in der dritten Ebene angelangt: Da muss man sich bei der Masse des Angebots etwas einfallen lassen, damit die Stimmung gut bleibt.

Fröschesuchen - dann bleibt die Stimmung gut

Wir haben uns fürs fröhliche Fröschesuchen entschieden und sind nicht die einzigen, die sich in dieser Disziplin austoben. Ein junges Pärchen zeigt uns freundlich, wo sich das winzige Tier versteckt hält. Okay, damit steht es 1:1, Linus hatte den Beiden davor nämlich den chinesischen Riesenflugfrosch präsentiert. Wer weiß, ob sie den jemals selbst gefunden hätten?

Am meisten hat sich mein Enkel von Anfang an für die Haie interessiert. Sie sind viel in Bewegung, nicht so langweilig wie Frösche, Schlangen oder die schläfrigen Krokodile. Dafür ist er kurz nach dem Eingang fast achtlos an den Seepferdchen vorbeimarschiert.

Ich habe ihnen trotzdem Hallo gesagt, sie waren in meiner Kindheit – neben Flipper – die faszinierendsten Meerestiere. Vielleicht lag das an der Algemarin-Werbung. Ich konnte nicht glauben, dass es solche Tiere in der Natur gibt. Sie schienen mir so unwirklich wie das HB-Männchen. In meinem späteren Leben bin ich dann aber beiden begegnet.

Haie sind einfach spannender

Linus ist da schon bei den Haien angekommen, die hier in vielen Größen und Formen unterwegs sind, wie der Hammerhai („Guck mal, sieht der komisch aus!“) oder die großen, schlafenden Ammenhaie. Lässig sagt er „Hi, Hai!“, in Wahrheit ist der Junge allerdings ein bisschen aufgeregt. Als hinter uns unvermittelt eine Stimme fragt: „Darf ich hier mal hoch?“, zucken wir alle drei zusammen. Dabei haben wir echt Glück: Der gute Mann füttert die Katzenhaie. Wir hatten vorher nur einen gesehen, plötzlich ist ein halbes Dutzend auf der wilden Jagd nach den Fleischfetzen.

Davon noch beeindruckt, schaut Linus entgeistert auf einen Menschen in einem der größeren Becken. Mit Badehose, Taucherbrille, Schnorchel und einem Besen, mit dem er die Scheiben putzt. „Wieso hat der keine Angst?“, sagt Linus mehr zu sich selbst.

Mir scheint, die Haie haben in demselben Moment bei ihm einiges an Schrecken verloren. Anstelle des mutigen Fensterreinigers würde ich mir sowieso mehr Sorgen um die elendig lange Muräne machen, die ganz in seiner Nähe aus ihrer Höhle glotzt. Aber das behalte ich jetzt mal für mich. Will niemand beunruhigen. Linus nicht und den Taucher erst recht nicht.

Nicht zum Essen - nur zum Bewundern

Mein Sohn hat seinem Sohn inzwischen etwas gezeigt, was ihn sofort begeistert: Amazonasfische. Linus ist doch in Brasilien geboren. Der Arapaima vor seiner Nase, hinter der Glasscheibe, ist riesig, fast zwei Meter lang. „Wenn du so einen an der Angel hast, hast du lange was davon“, versuche ich einen Scherz. Der Blick meines Enkels braucht keine Erklärung. Der ist nicht zum Essen, Opa, der ist zum Bewundern. „Er kann sogar atmen.“ Verstanden.

Viele Tiere findet Linus wegen ihres Namens lustig. Clownfische natürlich, auch den Gestreiften Sergeant. Die Riesenfauchschaben, die man nun wirklich niemals unter seinem Salatblatt finden möchte, würdigt er keines Blickes, er bewundert stattdessen die grotesken Gottesanbeterinnen. Kichernd betrachtet er die Vieraugen, die an der Wasseroberfläche schwimmen und laut Beschreibung (frag mich nicht wie) gleichzeitig über und unter Wasser beobachten können, was Phase ist. Schon wieder so eine praktische Erfindung der Natur.

Als ich Linus am Streichelbecken, in dem man neugierige Goldfische berühren und sich sogar von ihnen anknabbern lassen kann, zu mir rufe, hält er aber lieber einen Sicherheitsabstand. Ich glaube, jemand hat ihm mal etwas von Piranhas erzählt. Könnte sein Opa gewesen sein.