Papas&Opas

Wenn die Tochter plötzlich einen Hund haben will

Bitte, Papa, bitte: Eigentlich glaubte ich, wir hätten das Hundethema abgeschlossen. Dann fuhren wir in den Herbsturlaub.

Foto: pa/Montage BM

Vor zwei Wochen schrieb ich an dieser Stelle darüber, dass meine Tochter sich von ganzem Herzen einen Hund wünscht und wir ihr diesen Wunsch leider nicht erfüllen können. Ich schrieb auch, dass sie sich nach einigen Querelen damit abgefunden hat und wir uns auf ein Meerschweinchen geeinigt haben. Nun ist der Hundewunsch unerwartet wieder aufgeflammt.

Wir sind in den Ferien nach Niederschlesien gefahren. Die Entscheidung für Polen fiel mir umso leichter, als ich bei meinen Kindern einige dubiose Vorurteile über dieses Land entdeckte, die ich für korrekturbedürftig hielt. Das zugehörige Gespräch lief ungefähr so:

- Papa, ich will lieber wieder nach Italien.

- Warum nicht mal nach Polen?

- Ich weiß nicht. Polen ist irgendwie so...

- ...polnisch?

- Ja, genau. Das ist es!

- Alles klar. Wir fahren nach Polen.

Jedenfalls gibt es etwa neun Kilometer südlich von Hirschberg im Riesengebirge ein Dorf, das heute Staniszów heißt und früher einmal Stonsdorf hieß. In diesem Dorf wiederum gibt es ein hübsch hergerichtetes ehemaliges Schloss, in dem man mit seinem Nachwuchs ein paar Tage verbringen kann.

Ein Pool, gute Küche, schöne Zimmer: die Skepsis der Kinder löste sich sofort in Luft auf. Der Herbst im Riesengebirge war die reine Pracht, durch die von Peter Joseph Lenné im 19. Jahrhundert gestaltete Parkanlage konnte man in der Ferne die Schneekoppe erkennen, die höchste Erhebung des Riesengebirges.

Hier und da standen uralte Bäume und interessante Skulpturen herum. Ich wollte gerade den Blick meiner achtjährigen Tochter für all diese Erhabenheiten schärfen, als sie mir auch schon ins Wort fiel.

- Papa! Papa! Papa!

- Was ist denn?

- Ich habe einen Hund kennengelernt!

- Ah.

- Ja, ich nenne ihn Alfred!

Weil das Tier in diesem Moment auch schon begeistert um die Ecke gewedelt kam, betrachtete ich es etwas genauer. In der Tat ziemlich niedlich. Ein Golden Retriever wahrscheinlich. Dann fiel mir noch etwas auf.

- Tochter?

- Ja?

- Diesen Hund kannst du nicht Alfred nennen. Das ist ein Mädchen.

- Okay, dann halt Alfreda!

Alfreda erwies sich als äußerst anhängliches Tier. Am Nachmittag wollten wir einen längeren Waldspaziergang machen. Ziel war eine im Nachbardorf gelegene ehemalige Sommerresidenz der Hohenzollern, Schloss Erdmannsdorf.

Alfreda begleitete uns, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt und als würde sie niemandem gehören. Zwischendurch jagte sie ein paar Eichhörnchen (vergeblich) und nahm riesige Äste ins Maul, mit denen sie den Pfad für uns Fußgänger zu blockieren versuchte (erfolgreich).

Als wir den Wald in der Nähe des Nachbardorfes verließen, mussten wir ein paar überraschend stark befahrene Straßen überqueren. Und plötzlich hatte sich die herbstliche Idylle in den blanken Stress verwandelt: Die Kinder versuchten den Hund davon abzuhalten, in das nächstbeste Auto hineinzulaufen, während ich die Kinder daran hindern musste, bei dieser Gelegenheit exakt dasselbe zu tun. Die Tochter beklagte sich später lautstark, wie anstrengend ihr neues Leben mit Hund geworden sei.

- Du hast kein neues Leben mit Hund.

- Na gut. Ich will aber auch keines!

Dann verschwand der Hund plötzlich irgendwo im Gebüsch, und meine Tochter stürzte in tiefe Trauer. Wir spazierten weiter und gingen etwas essen, dann tauchte Alfreda plötzlich wieder auf – meine Tochter zersprang fast vor Glück.

Zu Tode betrübt, dann wieder himmelhoch jauchzend: War das wieder dieser Hundewahn, von dem ich sie eigentlich geheilt geglaubt hatte? Dagegen sprach, dass der Abschied von Alfreda tags darauf ganz ohne Komplikationen verlief und seitdem kaum noch von ihr die Rede war. Aber ich lasse mich da nicht in Sicherheit wiegen.