Kolumne Papas&Opas

Großeinkauf, bevor der Enkel zu Besuch kommt

Warum ich etwas nervöser bin als sonst, merkwürdige Listen aufstelle und schon mehrfach Gummibärchen nachkaufen musste.

Dietmar Wenck mit Enkel Linus.

Dietmar Wenck mit Enkel Linus.

Foto: bm / BM

Oma ist der Meinung, dass ich es reichlich übertrieben habe mit meiner Einkaufsliste und überhaupt meinen ganzen komplizierten Vorbereitungen. Aber mir war nun mal danach. Im normalen Leben stehe ich gar nicht auf so etwas. Das, was wir für den täglichen Gebrauch benötigen, kaufe ich sehr selbstständig und meist unaufgefordert im Supermarkt unseres Vertrauens ein. Dinge weit im Voraus zu planen, ist mir ein Gräuel. Im Notfall kann ich mich in solchen Dingen außerdem auf Oma verlassen. Nur ist jetzt die Situation eine ganz andere.

An diesem Sonntag kommt nämlich Linus zu Besuch. Ohne Mama und Papa, bis Donnerstag. Da muss alles vorhanden sein, was er sich vielleicht, eventuell, mag ja sein, wünschen könnte. Da darf man nichts dem Zufall überlassen! Zumal erschwerend hinzukommt, dass nur ich Urlaub habe, Oma nicht. Sie finden, ich wirke nervöser als sonst? Ich bin nervöser als sonst! Seit einigen Wochen, genauer gesagt, seit seine Eltern gefragt haben, ob Linus für ein paar Oktobertage nach Berlin übersiedeln darf, weil sie beide arbeiten oder studieren müssen und seine Kita geschlossen hat.

Wenn der Enkel zu Besuch kommt, muss alles perfekt sein

Was für eine Frage, natürlich geht das. Wir holen ihn nachher ab. Er freut sich schon auf uns, das hat er mir kürzlich am Telefon versichert. Und wir uns erst auf ihn! Dann bleibt er bis Donnerstag, seine Mama holt ihn ab. Nur, so viel ist klar: Auf all das muss Opa perfekt eingestellt sein. Deshalb die Einkaufsliste.

Einige elementare Linus-Artikel habe ich vorbildlich sogar schon sehr zeitig beschafft. Kaktus-Eis etwa, zwei Kartons à sieben Stück. Kirsch- und Bananensaft, je zwei Flaschen, um Kiba daraus zu machen, den trinkt er am liebsten. Gummibärchen hatte ich auch schon mehrere Male besorgt, Sie kennen sicher diese beliebten Partyspaß-Großpackungen.

Dummerweise habe ich sie dann abends beim Fernsehen selbst aufgegessen; sie mussten also immer wieder rauf auf die Liste. Was noch? Nutella ist seit dem Auszug des letzten unserer vier Kinder nicht mehr ausreichend im Haushalt vorrätig und musste nachgekauft werden. Käsebrötchen hole ich am Erscheinungstag des Kindes. Ich zähle weiter auf. Salami ist da, Serranoschinken auch. Etwas Fisch wäre gut.

Man kann nie genug Essen zu Hausen haben

Oma hat jetzt diesen ganz besonderen Gesichtsausdruck, der ohne Worte zwei Dinge gleichzeitig ausspricht. Erstens: Mein lieber Mann, bei dir piept’s ein bisschen. Zweitens: Wenn Linus das alles essen soll, passt er nach drei Tagen nicht mehr durch die Haustür. Na und? Wäre mir nur recht: Wenn er nicht rauskommt, muss er eben bei uns bleiben.

Damit er sich wirklich absolut wohlfühlt, darf ich mich aber nicht aufs Essen und Trinken beschränken, sondern muss auch an andere Dinge denken. Zwei Kilo Erdbeeren sind eingefroren – falls das Kind das dringende Bedürfnis entwickelt, Marmelade einkochen zu wollen. Gelierzucker und Zitronen sind da. Ein neues Puzzle mit 100 Teilen ist im Schrank versteckt, falls ihm das alte von Digimon, das wir gemeinsam bestimmt schon ein Dutzend Mal zusammengesetzt haben, nicht mehr genug Nervenkitzel bereitet.

Lego: Ein Wink mit dem Zaunpfahl

Etwas neues Lego gibt es natürlich auch. Ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl von einem seiner letzten Besuche sehr wohl verstanden. Da wollte Linus sich unbedingt mit mir einen Legokatalog anschauen, gaaaanz langsam. „Guck mal da, die schöne Feuerwehr“, sagte er, oder „guck mal da, der Hubschrauber“. Als ich ihn ziemlich erschöpft irgendwann fragte, welches der vielen Angebote ihm denn besonders zusage, antwortete er strahlend: „Alles, Opa!“ Schon klar – ich habe etwas ausgesucht, was mir auch gefällt. Was, wird erst auf Nachfrage in den nächsten Tagen beantwortet. Oder Weihnachten. Ich glaube, ich hab‘ jetzt alles.

Oma hat heute Morgen noch mal sein kleines Bettchen fertig gemacht mit allen Kuscheltieren. Als ich das sah, war ich irgendwie plötzlich sehr zuversichtlich, dass er sich bei uns wohlfühlen wird. Diesmal. Wie immer.