Papas & Opas

Warum unser Enkel Linus heißt

Laut deutscher Hitliste müsste sein Name Ben sein. Doch bei der Auswahl war ein anderes Kriterium viel wichtiger

Dietmar Wenck mit Enkel Linus

Dietmar Wenck mit Enkel Linus

Foto: Dietmar Wenck / BM

Vor Kurzem wollte eine Kollegin von mir wissen: „Warum heißt dein Linus eigentlich Linus?“ Eine sehr berechtigte Frage, wie sich wenig später beim Surfen im Internet herausstellte. Dort fand ich als erstes, dass der Name unseres Enkels aus dem Griechischen stammt und so viel bedeutet wie „der Klagende“; das leitet sich ab vom Ritualgesang Ailinon. Es passt aber gar nicht zu ihm. Ich sag mal so: Gejammert wird nur ausnahmsweise. Wenn er beispielsweise nicht von seinem Opa bekommt, was er will. Ist das etwa seine Schuld? Ganz klar nein. Linus wäre deshalb mit „der Fröhliche“ deutlich besser übersetzt. Diese Griechen!

Wäre er der Nachkomme meines ältesten Sohnes, könnte die Namenswahl eventuell mit den Peanuts zusammenhängen. Dessen Frau ist seit ihrer Kindheit Fan von Charlie Brown und seinen Freunden. Einer davon ist Linus mit der Schmusedecke, den kennt schließlich jeder, oder? Nur: Die Mutter von Linus hat es nicht so mit dieser Comicserie. Überhaupt kann man mit solchen Deutungsversuchen leicht falsch liegen.

Meine Frau und ich sind dafür ein gutes Beispiel. Lasse, Ole, Bosse und Lisa heißen unsere Kinder. Das klingt ein bisschen so, als hätte sich da ein Paar ernsthaft vorgenommen, ganz Bullerbü nachzuproduzieren. Ursprünglich nicht, kann ich dem ruhigen Gewissens entgegenhalten. Es kam so: Als Volontär freundete ich mich mit einem älteren Kollegen von einer renommierten Frankfurter Zeitung an. Der schrieb nicht nur tolle Sachen mit Einstieg und Ausstieg und so und war insgesamt sehr kompetent. Er war auch freundlich und immer hilfsbereit gegenüber einem Berufsanfänger wie mir. Irgendwann erzählte er mir bei einem Feierabendbier von seinen beiden Söhnen Lasse und Arne. Damals beschloss ich: Falls du eines Tages Vater wirst, möchtest du auch einen Lasse haben.

Bis dahin vergingen noch einige Jahre, aber dankenswerterweise fand meine Frau den Namen ebenfalls schön. Natürlich hatte sie dann die freie Wahl beim zweiten Kind. Sie entschied sich für Ole-Jasper. Spätestens, als wir von meiner Schwägerin mit einem Lächeln „Weihnachten in Bullerbü“ geschenkt bekamen, hätte uns das entsprechende Licht aufgehen sollen. So richtig hell leuchtete es allerdings immer noch nicht.

Wir haben das Buch nicht nur unseren Jungs fleißig vorgelesen, sondern auch noch „Lustiges Bullerbü“ dazugekauft. Als sich schließlich Zwillinge ankündigten, war schon klar, was Lasse und Ole von uns erwarteten. Wir hätten dabei übrigens in ziemliche Schieflage geraten können. Als Bosse zur Welt kam, waren die Jungen-Namen nämlich aus. Swip (der Hund in Bullerbü) stand nicht ernsthaft zur Debatte. Doch acht Minuten später klärte Lisa den Fall auf ihre Art. Das war wirklich ein großes Glück, und zwar nicht nur wegen des Namens.

So war das bei uns. Manche Eltern sollen sich ja auch danach richten, welche Vornamen gerade am meisten angesagt sind. Kann man doch heute überall herausfinden. Wer sich interessiert: In den vergangenen drei Jahren sind laut Online-Portal elterngeld.de Ben und Emma unangefochten die Nummer eins. Ich habe heimlich mal nachgeschaut, wo unsere Namen so stehen: Lisa führt im Ranking 2018 Wencks Familien-Hitliste an, allerdings bescheiden auf Rang 51. Dahinter folgen mit Abstand Ole (77), Lasse (111) und Bosse (153). Tut mir leid, Kinder! Linus ist mit Platz 34 eindeutig hipper. Dietmar kommt, das nur am Rande und vielleicht als kleiner Trost, nicht mal unter den Top 500 vor. Anders als Gustav, Egon und Alwin.

Aber das war ja alles gar nicht die Frage der Kollegin. Warum also Linus? Seine Eltern wollten nicht nur, dass der Name einen schönen Klang hat. Wenn der Vater Deutscher ist und die Mutter Brasilianerin, gibt es noch ein anderes wichtiges Kriterium. Linus wird im Deutschen genauso ausgesprochen wie im Portugiesischen. Deshalb heißt unser Enkel Linus Oliveira Wenck.