Papas&Opas

Beim Badeausflug mit dem Enkel kommt einiges zum Vorschein

Ein Badeausflug mit dem Enkel bringt Spaß: Doch von Schildkröten will Linus so gar nichts wissen, merkt Dietmar Wenck.

Foto: pa/BM

Manchmal kann mich mein Enkel schon ganz schön erschrecken. „Guck mal, Opa: meine Tattoos!“, sagt er voller Stolz. Wie bitte? Wir brezeln uns gerade auf für einen Ausflug zum Badesee, und da kommen bekanntlich manche Tatsachen ans Licht. Aufs Badehandtuch, um präzise zu sein. Egal, vor dem Strand will mich Linus anscheinend schon mal auf Stand bringen, damit ich nachher am See nicht mit offenem Mund herumstehe wie ein Gaffer. „Hier: ein Eis.“ Rechter Unterarm. „Das da: Melone!“ Tatsächlich. Auf seinem rechten Schienbein, zum Reinbeißen. „Und hier“, sagt er und zeigt aufs linke Schienbein: „Roboter!“ Okay, denke ich, sieht ein bisschen aus wie eine Spinne. Immerhin sind es kindgerechte Motive. Kein böser Dämon und auch nicht das Geburtsdatum von Mandy. Dafür ist er ja noch ein bisschen jung. Und hoffentlich, aber da bin ich optimistisch, zu klug. Später mal, wenn er über so etwas selbst entscheidet.

Wie er das mit seiner Tätowierung hinbekommen hat, muss er mir jetzt natürlich erklären. Also, da gibt es so Folien, Opa. Dann ein feuchter Lappen drauf und drücken, „ganz feste!“ Das haben sie in der Kita so gemacht. Mir fällt ein, dass es so etwas in meiner Kindheit auch schon gegeben hat. Nicht Kitas, sondern Wasser-Tattoos. Bei mir waren die aber spätestens nach einem Nachmittag wieder verschwunden.

Bevor es zum See geht, muss das Styling sitzen

Was sein Styling angeht, ist er ansonsten noch etwas unentschlossen vor dem Trip zum See. Zumindest farblich. Linus trägt eine rosafarbene Sonnenbrille, das ist augenpädagogisch sehr wertvoll – Oma und Opa waren da ihrerzeit nicht ganz so fürsorglich mit ihren Kindern. Und einen totschicken Hut, gelb-grün-blau mit einer Krempe, auf der „Brasil“ steht. Mein Enkel ist ja in Rio de Janeiro geboren. Das kommt immer gut, wenn man das ein bisschen herumzeigt. Brasilien ist cool.

Als wir nach einer dreiviertel Stunde und mehreren „wann sind wir endlich da?“ schließlich am Großsee kurz vor der polnischen Grenze eintreffen, wird Linus von Oma noch ordentlich eingecremt. Er lässt das erstaunlich widerstandslos über sich ergehen. Dann Schwimmflügel darüber, Papa nimmt den großen Schwimmring, Opa trägt die Verantwortung. Auf jeden Fall sollen wir beide mitkommen. Papa und Opa – das ist die größtmögliche Ladung an Quatsch und spannenden Geschichten im Wasser. Darauf steht Linus.

Algen sind überhaupt nicht lustig

Es ist angenehm kühl, und das Wasser ist auch sehr sauber. Nur ein paar wenige Algen schwimmen herum. „Neiiiin“, die sollen nicht auf seinem Kopf sein. Sie sind heute nicht mal lustig auf Opas Nase. „Weißt du denn nicht, Linus, dass Schildkröten extra aus dem tiefen Meer kommen, um im flachen Gewässer Seegras zu naschen? Das ist fast wie Algenfressen.“ Er möchte jetzt aber keine Schildkröte sein. Linus möchte lieber von Papa ins Wasser geworfen werden. Wozu trägt er Schwimmflügel?

Auch gut. Um seinen Kopf schwirren beim Auftauchen dicke Libellen, aber vor denen hat er keine Angst. Erst, als Papa und Opa anfangen, etwas von den gefürchteten Seeschlangen zu erzählen, wird ihm ein wenig mulmig zumute. Oh, jetzt kitzelt ihn sogar eine an seinem Oberschenkel, nein, es ist nicht Ärger-Opa, ich schwöre! Das war nur das Band seiner Badehose. Puh, die könnte aber auch mal jemand zumachen! Damit dieses Schlangengefühl schnell weggeht.

Linus will gar nicht mehr aus dem Wasser. Wir müssen mit ihm ganz weit schwimmen. Das bedeutet in seiner Welt, wir schwimmen und er klettert auf unseren Rücken, dafür reicht seine Kraft ewig. Das eine Gute ist, dass in meiner Gewichtsklasse das Untergehen physikalisch nur noch schwer möglich ist. Das andere Gute, denke ich jedenfalls, dass sich nach dem stundenlangen Baden bestimmt etwas aufgelöst haben wird.

Falsch gedacht. Eis, Melone, Roboterspinne – alles noch dran. Die Wasser-Tattoos sind auch nicht mehr das, was sie vor 50 Jahren mal waren.