Papas & Opas

Ein kleiner Gruß aus der Schleimabteilung

Auf dem Foto dieser Kolumne tue ich so, als würden meine Kinder mit Puppen und Figuren spielen. Stimmt leider nicht mehr.

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Foto: Reto Klar

Die achtjährige Tochter verkündete letztens, sie würde das Wochenende bei Oma verbringen. Es sei eine Übernachtung geplant, außerdem wolle sie mal wieder ihr Geld zählen. Bei Oma daheim steht ein Sparschwein, wo unsere Tochter eine Art Konto unterhält, nur viel besser verzinst, als auf allen Banken, weil Oma dauernd Geld reintut. Offenbar hat unsere Tochter eine Art Onkel-Dagobert-Gen und braucht regelmäßig die Gegenwart ihrer Taler.

Oma holte sie ab, und in der Wohnung wurde es still. „Sie sind jetzt shoppen“, sagte meine Frau. Später erreichte uns ein Selfie der beiden Girls aus dem Zoo, sie grinsten fröhlich in die Kamera. Als wir die Tochter am Sonntag wiedersahen, erzählte sie vom Einkaufsbummel. Am besten habe ihr die Schleimabteilung im Spielzeugladen gefallen.

- „Die was?“

- „Die Schleimabteilung. Ich habe intelligente Knete gekauft.“

- „Na super.“

Es gibt jetzt also ganze Schleimabteilungen in den Spielzeuggeschäften. Der Trend hält sich schon lange sehr hartnäckig, und noch hartnäckiger halten sich seine Spuren in unseren Sofa- und Bettbezügen. Ich frage mich, wann dieses Zeug endlich seine Faszinationskraft für die Tochter eingebüßt hat.

Ich googelte ein bisschen herum und stieß auf einen anderen Trend am Spielzeugmarkt. Er nennt sich „unboxing“, es geht ums Auspacken und die Freude, die Kinder daran haben. Es gibt auf der Videoplattform YouTube einen kleinen Jungen namens Ryan, der allein mit dem Auspacken von Spielzeug ein Millionenpublikum unterhält. Er ist sieben Jahre alt und hat damit dem Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge im vergangenen Jahr 22 Millionen Dollar verdient. Videos in seinem Kanal „Ryans ToysReview“ wurden inzwischen knapp 26 Milliarden Mal aufgerufen. Ryan, dessen Nachnamen die Eltern sorgsam geheim halten, ist der derzeit erfolgreichster Youtuber der Welt. Ich finde das vollkommen verrückt.

Aber das mit dem Auspacken verstehe ich natürlich: Auch ich als erwachsener Mann freue mich regelmäßig, wenn hier in der Redaktion Pakete zum Auspacken eintreffen. Die Kinder waren bei der Bewegung auch nicht die Vorreiter. Die Historiker des Internets vermuten, dass der Siegeszug der internationalen „unboxing“-Bewegung im Jahr 2006 begann, als der Amerikaner Vincent Nguyen vor laufender Kamera eine Schachtel auspackte, in der sich ein Handy der Marke Nokia befand. Seitdem hat sich die Zahl der Videos, in denen Leute irgendwas auspacken und ihnen andere Leute in zum Teil millionenfacher Zahl zuschauen, ins Astronomische gesteigert.

Auf dem Spielzeugmarkt macht sich das besonders bemerkbar. Zu Weihnachten wollte unsere Tochter unbedingt ein Hatchimal haben. Das ist ein kleiner, plüschiger, vogelartiger Roboter, der sich in einem Ei befindet, aus dem er erst schlüpfen muss. Wie erwartet, war es mit der Begeisterung für das Hatchimal nach dem Schlüpfen schnell vorbei. Es ruht jetzt auf dem Friedhof der Kuscheltiere unter dem Bett im Kinderzimmer, wo sich auch die alten Angry-Birds-Puppen, verschrumpelte Luftballonreste und Spielfiguren ungewisser Herkunft aufhalten.

Und übrigens auch Schleimbatzen. Die sind wirklich überall. Ich bete regelmäßig darum, dass meine Tochter nicht die Videos im Internet entdeckt, in denen schon seit ein paar Jahren ausführlich erklärt wird, wie man Schleim selbst zu Hause herstellen kann. Es wirkt ein bisschen wie eine Sprengstoffwerkstatt, aber eigentlich ist es nur ein Rezept für eine riesige Sauerei: Man muss Klebstoff, Rasiercreme, Flüssigseife, Speisestärke, Bodylotion und ein Waschmittel namens Borax zusammenrühren, um am Ende eine Art Teig zu erhalten, mit dem man seine Eltern in den Wahnsinn treiben kann.

Das Video, das ich dazu sah, wurde bereits 42 Millionen Mal angeklickt. Es wird also nicht leicht, es vor der Tochter geheim zu halten.