Papas & Opas

Mit der Dramaqueen zum Trampolinspringen

Gibt es entspannende Kindergeburtstage? Nach jüngsten Erfahrungen kann Felix Müller berichten: Nicht in diesem Universum.

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Foto: Reto Klar

Berlin. Meine Tochter hat wieder einmal Geburtstag gefeiert. Eigentlich wurde sie kurz vor Weihnachten geboren, aber die Party ist dann immer etwas später, damit ihre Freundinnen auch Zeit haben und kommen können. Jungs lädt sie nicht ein, Jungs sind blöd.

- „Und was machen wir dieses Jahr?“, fragte ich meine Frau.

- „Sie will ins Jump House.“

- „Was ist das?“

- „So eine große Halle in Reinickendorf. Da stehen ganz viele Trampoline drin.“

- „Aha. Und wer fährt mit und passt auf?“

- „Du.“

- „Wieso jetzt ich?“

- „Du brauchst doch was für die Kolumne.“

Also stand ich am vergangenen Sonntag um halb neun vor unserer Haustür und wartete mit meiner Tochter auf die Gäste. Nach und nach kamen sechs weitere Mädchen dazu. Das Großraumtaxi wartete schon. Der Taxifahrer fragte, wo die sieben Kindersitze seien. Ich sagte, die gäbe es nicht. Er schimpfte ein bisschen herum und fuhr uns dann trotzdem hin. Auf der Fahrt legte er Lady Gaga auf, „Pokerface“. Volle Lautstärke. Dann fuhr er ein paar Schlangenlinien, um Kindergeburtstagsstimmung zu verbreiten. Endlich Wochenende, dachte ich.

- „Mir ist schlecht“, kam es von hinten.

- „Och nö“, sagte der Taxifahrer.

- „Hier hast du ne Tüte“, sagte ich.

Wir kamen am Jump House an, ohne dass eines der Mädchen kotzen musste. Na ja, klappt ja vielleicht noch im Lauf des Tages, dachte ich. Die Mädchen stürmten rein, ich sah mich um. In einer riesigen Halle stehen dort mehr als 120 Trampoline. Man kann klettern, Wände hochlaufen, Basketball spielen, sich in Kisten mit Schaumstoffwürfeln werfen und vieles andere mehr. Am Empfang bekamen die Kinder Stoppersocken und Schilder, die sie sich auf den Rücken kleben sollten. Darauf stand die Zeit, die wir gebucht hatten: 10-11.30 Uhr. Es war jetzt 9.30 Uhr.

Ich sagte, sie könnten ja trotzdem schon mal zu den Trampolinen. Begeistert und schreiend rannten sie los. Ich dachte: Super, die verausgaben sich jetzt zwei Stunden lang, und ich habe meine Ruhe. Ich holte mir einen Kaffee und nahm eine Zeitung aus meinem Rucksack. Nach fünf Minuten waren sie alle wieder da.

- „Was ist los?“

- „Die haben uns wieder rausgeschickt.“

- „Die?“

- „Die Aufseher. Wir sind erst um 10 dran.“

Mir fiel ein Air-Hockey-Tisch auf, der vor dem Trampolinbereich herumstand. Man kann darauf eine Scheibe hin und her schießen mit dem Ziel, das gegnerische Tor zu treffen. Ich spielte es mit drei Mädchen, die anderen sahen zu, unter anderem meine Tochter. Sie schob die Unterlippe nach vorn. Als ich alle um zehn in den Sprungbereich schickte, flüsterte sie mir zu:
- „Das war ein Fehler, Papa.“

Ich wusste zuerst nicht, was sie meinte. Schon nach zehn Minuten Herumgehopse kamen die ersten zwei Mädchen wieder zu mir. Sie sagten, sie würden jetzt lieber Air Hockey spielen.

- „Aber wir sind im Jump House.“

- „Wir wollen aber lieber Air Hockey.“

Es kam, wie es kommen musste. Die kommenden anderthalb Stunden fanden im Wesentlichen vor dem Spieltisch statt, während meine Tochter auf dem Trampolinen allein ihre Saltos übte. Sie hatte Recht gehabt, es war ein Fehler gewesen. Es war, als hätte ich den Kindern erst kurz ein tolles Videospiel gezeigt, um sie dann zum Seilspringen zu überreden. Ich gab den Plan der Zeitungslektüre auf und versuchte die Mädchen zum Hüpfen zu überreden, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann war es 11.30 Uhr. Wir hatten Pizza bestellt, die Mädchen versammelten sich um einen Tisch. Ich merkte, dass meine Tochter stocksauer war. Die Pizza kam, 14 Stücke für sieben Kinder. Meine Tochter nahm sich sofort drei.

- „Das geht nicht auf. Zwei pro Person“, sagte ich.

- „Das ist MEIN Geburtstag! Immer machst du alles falsch! Ich GEHE jetzt!“

Die freundlichen Mädchen boten gleich an, dass sie auch ihre Pizzastücke haben könnte, aber sie stürmte davon. Kein Geburtstag ohne Drama, dachte ich. Die anderen Mädchen liefen hinter ihr her. Nachdenklich begann ich die Pizza aufzuessen. Irgendwann kam eine Delegation von zwei Mädchen zu mir. Ich müsse mich entschuldigen, nur so werde alles wieder gut, sagten sie. Ich durchquerte die Halle und fand die Tochter auf einem Strandstuhl auf einer Empore. Ich fühlte mich wie bei einer Audienz bei der Kindlichen Kaiserin, umringt von ihrem Hofstaat. Sie sah auf mich herab, ich brachte eine Entschuldigung heraus. Dann fragte sie, wo die Pizza sei.

- „Ich bestelle eine neue“, versprach ich.

Wir fuhren mit der S-Bahn nach Hause. Meine Frau wollte wissen, wie es gewesen sei.

„Absolut super“, sagte ich. „Man hat seine Ruhe, die Kinder toben herum. Beim nächsten Mal musst du das machen!“