Papas & Opas

Tausche „Game of Thrones“ gegen blauen Elefanten

Wie Linus den Fernsehgeschmack von Redakteur Dietmar Wenck verändert und fast vergessene Erinnerungen an Käpt’n Blaubär weckt.

Foto: pa/Montage BM

Linus ist ein Kind, das die meiste Zeit fröhlich ist. Ich schreibe das nicht allein deshalb, weil ich sein Opa bin, es stimmt einfach. Seine Eltern müssen vieles richtig machen. Und wenn mal Langeweile aufkommt, fällt ihm fast immer etwas ein, um sie zu vertreiben, manchmal sogar ganz allein für sich. Aber natürlich ist es viel schöner, wenn jemand Zeit hat, sich an dem fröhlichen „Vertreiben“ zu beteiligen. Da unser Haus rein zufällig oft gerade dann voll ist, wenn er zu Besuch kommt, lässt sich das organisieren. Dann ist es völlig egal, wer mit ihm „Lotti Karotti“ spielt, ein Puzzle zusammensetzt oder eine fantastische Burg baut: Linus hat Spaß.

Und doch gibt es Momente (höchstens einmal am Tag), wo nichts von alldem mehr richtig ist. Schon als Linus noch ein kleiner Junge war – inzwischen ist er fünf Jahre alt geworden und dieser Phase aus seiner Sicht längst entwachsen – wandte er sich in solchen Situationen mit seinem niedlichen Wortschatz hilfesuchend erst an seine Eltern und danach an mich. „Gucken, Opa?“, fragte er, und weil ich nicht kapierte, was gemeint war, wurde sein Piepsen immer flehender, bis mein Sohn ihn endlich erlöste und erklärte: „Linus fragt, ob du mit ihm einen Film anschauen willst.“

Der Computer hat auch Vorteile

Natürlich wollte ich. Ich liebe es schon immer, Filme anzusehen, ob kurz oder lang. Früher, im Medien-Pleistozän, wurde nur üblicherweise noch vom Fernsehen gesprochen, daher mein Unverständnis. Heute findet ja alles am Computer statt. Das hat übrigens seine praktischen Seiten. Man muss nicht erst im Programmheft stöbern, was so läuft. Es gibt im Netz alles. Immer.

Ich hab’s erst mal mit „Donald Duck“ probiert. Danach mit „Tom & Jerry“. Kannte er nicht, mochte er nicht so. Dann schlug er seinerseits „Stinky & Dirty“ vor, außerdem „Peppa Wutz“. Kannte ich nicht, mochte ich nicht so. Zum Glück kam erneut Linus’ Papa zu Hilfe und stellte ohne große Worte bei Youtube einen Film vom kleinen Elefanten und vom kleinen Hasen ein. Ich muss schon sagen: Das war eine Erleuchtung für mich. Ehrlich, was sind „Game of Thrones“, selbst „Two and a Half Men“ oder „Vikings“ dagegen? Nichts. Jedenfalls an einem Sonntagvormittag, wenn Linus neben mir sitzt.

Die Sendung mit der Maus begeistert schon immer Familien

Den blauen Elefanten kannte ich selbstverständlich schon, von der „Sendung mit der Maus“. In meinem Fall ist es nämlich so, dass ich erst Vater und danach Opa wurde. Als junge Eltern haben wir die Maus so oft wie möglich mit der ganzen Familie gesehen. Ich wegen dem Schnacker Käpt’n Blaubär und Hein Blöd, meine Frau wegen der Lerngeschichten, die Kinder wegen allem zusammen. Aber irgendwie sind wir da im Laufe der Jahre herausgewachsen. Darum hatte ich keine Ahnung, wie der Hase zum Elefanten kam.

Die Episoden sind schön kurz und leicht verständlich. Die beiden Freunde lösen gemeinsam die schwierigsten Probleme, etwa gemeinsam Hochrad zu fahren oder über Stock und Stein auf eine entfernte Insel zur Maus zu gelangen. Sehr kreativ, trotzdem habe ich Linus vorsichtshalber empfohlen, dass er es nicht nachmachen soll. Jedenfalls nicht so! Ich bezweifle, dass er es mitbekommen hat.

Sie machen dauernd Quatsch, basteln, malen, machen sich schön schmutzig. Der Hase verknotet seine langen Ohren, wenn er kurz mal grübeln muss, er lässt sie hängen, wenn er nicht weiter weiß. Der Elefant trötet, wenn ihm die rettende Idee kommt. Der Hase sagt „Boah“ oder „Juchu!“. Dabei lachen sie die meiste Zeit, Linus auch, und ich kann nicht anders – ich jetzt auch.

Aber das Schönste ist, dass sie sich zwischendurch immer mal drücken, weil sie so gute Freunde sind. Wir haben inzwischen angefangen, das dann auch zu machen. Zum Glück starrt Linus danach gleich wieder gebannt auf den Bildschirm. So bekommt er gar nicht mit, wie Opa hin und wieder eine Träne wegdrückt. Weil es einfach so ein Glück ist, ein Enkelkind zu haben.

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