Papas & Opas

Warum gibt’s bei Alba keine Braunbären?

Wie Linus sein erstes Basketballspiel genießt, obwohl sein Opa ihm die falschen Fangesänge beigebracht hat.

Dietmar Wenck

Dietmar Wenck

Foto: Dietmar Wenck / BM

Der komische Vogel ist ihm nicht geheuer. Linus hat Respekt vor dem Alba­tros, und der wird auch nicht kleiner bei Opa auf dem Arm, als wir uns vorsichtig dem Federvieh nähern. „So ein großer Kopf“, flüstert er mir erschrocken ins Ohr, „und so große Füße!“ Nun dreht sich das Maskottchen von Alba Berlin auch noch um und steuert direkt auf uns zu. Der kleine Arm um meinen Hals klammert fester und fester. Erst nach dem Abklatschen, einer zarten Umarmung und dem erhobenen Daumen zum Abschied stellt Linus sachlich fest: „Der Albatros kann nicht sprechen. Aber er ist lieb.“ Und die größte Herausforderung des Abends bewältigt.

Seinen Anfang genommen hat der Ausflug zum Basketball mit der Frage einer Kollegin, ob ich mit Linus schon mal beim Sport war, wie sich das für einen anständigen Sportreporter-Opa gehört. Beschämt muss ich zugeben: nein. Mein Enkel und seine Eltern sind von der Idee sofort begeistert, genau wie Tante Lisa und Oma. Also los! Auf der Hinfahrt im Auto üben wir schon mal die angesagtesten Gesänge. Opa singt vor. Die Texte sind auch für einen knapp Fünfjährigen nicht zu kompliziert. „Berlin, Berlin, Alba Berlin“ etwa oder „Kämpfen, Alba, kämpfen!“ In der Arena kaufen wir noch schnell eine Tüte Popcorn, die Klatschpappe wird artgerecht gefaltet, und zum Schutz vor dem Lärm gibt’s Kopfhörer auf die Ohren. Die Show kann beginnen.

Linus klatscht wie verrückt, mal mit Pappe, mal ohne

Es geht gut los, Alba trifft und trifft, Linus klatscht wie verrückt, mal mit Pappe, mal ohne. Blöderweise singen die Fans um uns herum „Eoo, eoo, auf geht’s, Alba, eoo!“, was mir irritierte Blicke einbringt. Opa hat da wohl etwas missverstanden. Tapfer verteidigt Linus mich mit „Berlin, Berlin, Alba Berlin“. Keine öffentliche Reaktion. Also wendet er seine Konzentration lieber dem Popcorn zu, entdeckt, dass die Klatschpappe in Wahrheit eine geheime Schatzkarte ist und fragt beiläufig: „Haben wir gewonnen?“

Wir sind übrigens die Gelben, nicht die Roten, die gerade getroffen haben. Und das war jetzt auch nur das erste Viertel. „Okay.“ Der Albatros schießt mit einem Höllengerät T-Shirts in die Menge, das gefällt Linus. Leider hat es keine tolle Reichweite, die begehrten Textilien fliegen nicht bis zu uns. „Warum sitzen wir eigentlich so weit oben, Opa?“

Linus wirkt insgesamt nicht vollends überzeugt

Wenigstens ist die Partie ziemlich spannend. Beide Mannschaften nehmen es mit der Verteidigung nicht so genau, und so landen viele Bälle im Korb. Trotzdem wirkt Linus insgesamt nicht vollends überzeugt. Das liegt allerdings daran, dass die anderen gut 11.000 Fans partout nicht in seinen Gesang einstimmen wollen. Ach, eine Frage hat er noch: „Haben wir gewonnen?“ Nein, ist erst Halbzeit, Linus. Ganz schön lang, so ein Basketballspiel. Darum wendet Linus dem sportlichen Geschehen in der zweiten Hälfte im wörtlichen Sinne öfter mal den Rücken zu oder fokussiert sich mehr auf die Pommes mit Ketchup, die ihm seine fürsorglichen Eltern beschafft haben.

Etwas überrascht beobachte ich, dass seine Blicke häufig zum Dancing-Team mit den leicht bekleideten jungen Damen wandern, wo ich als gut erzogener Opa gar nicht hinzuschauen wage. Linus weist mich darauf hin, dass auch der Vogel dort herumschwirrt – „dem sehe ich zu, Opa“. Cleveres Bürschchen, gute Antwort, muss ich mir merken.

Die Dramatik erreicht ihren Höhepunkt, die Pommes sind in demselben Moment alle, in dem die Roten ausgleichen. Die Fans brüllen lauter, Linus hat nun auch den „Eoo“-Refrain intus und gibt alles. Als wir ihm nach großem Kampf eröffnen, dass Alba gewonnen hat, kennt sein Jubel kaum Grenzen. „Wirklich cool“ findet er das. Kleine Einschränkung seinerseits: Der Albatros ist ja ganz nett, aber gibt es hier nirgends ein Braunbär-Maskottchen? Kann er haben: Am 1. Februar ist das Hallen-Istaf mit Berlino.

Nur Herthinho gibt’s nicht mit Opa, da muss er seine Onkels fragen.

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