Mamas & Papas

Im Golfstrom des Spielzeugs

Wunderkugeln, Knete und Überraschungstiere: Wer Kinder hat, wird von den seltsamsten Dingen überschwemmt, erlebt Felix Müller.

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Hat eine Tochter und einen Sohn: Felix Müller

Foto: Reto Klar/pa

Es gibt Geräusche, die man dauernd hört, wenn man Kinder hat. Das Zersplittern von Glas gehört eindeutig dazu. Oder der dumpfe Schlag, den umkippende Möbel verursachen. Oder Wassergeräusche jeder Art.

Als ich letztens die Wohnungstür aufschloss, hörte ich das laute Prasseln, mit dem Wasser unter hohem Druck auf einen Gegenstand trifft. Oh Gott, dachte ich. Ich rannte ins Badezimmer. Mein neunjähriger Sohn stand in der Badewanne, in den Händen eine gigantische Wasserpistole.

- „Was ist denn das?“

- „Die ist neu. Toll, oder?“

Ich sah sie mir genauer an. Sie war in der Tat super. Der Trick an dieser Wasserpistole war, dann man hinten einfach eine Plastikmineralwasserflasche hineinschrauben konnte. Der Druck, den das Ding damit erzeugte, war beachtlich. Ich überlegte, damit mal kurz die Terrasse zu kärchern.

Aber es stellte sich auch eine grundsätzliche Frage. Wo kam dieses Teil jetzt schon wieder her? Seitdem die Kinder auf der Welt sind, beobachte ich hilflos die Inflation des Spielzeugs in meinem Leben. Es wird immer mehr, und es führt ein Eigenleben. In einer ständigen Bewegung, am ehesten vielleicht mit dem Golfstrom vergleichbar, wandert es aus dem Kinder- ins Wohnzimmer, wo ich dann morgens darüber stolpere.

Oder es festtrete. Schon einmal von intelligenter Knete gehört? Die war bei uns ein paar Tage lang der Bringer. Es handelt sich um Knete mit besonderen Eigenschaften. Wenn man sie zu einer Kugel formt und auf den Boden wirft, springt sie wie ein Flummi zurück. Lässt man diese Kugel dann einige Stunden liegen, zerfließt sie zu einer Art fester Pfütze. Interessiert man sich dann nicht mehr dafür, dann wird sie plötzlich an den seltsamsten Orten auftauchen: Im Sofabezug zum Beispiel, wo sie sich nicht mehr entfernen lässt. An den Wänden, wo sie aussieht, als habe jemand da seinen Kaugummi hinterlassen. Eine große Freude!

Eine Freude war auch die kleine Plastikdrohne, die mein Bruder meinem Sohn zum Geburtstag überreichte. Wir probierten sie auf der Terrasse aus, leider war ich an der Fernsteuerung. Das Ding flog erst direkt in den gedeckten Tisch, dann quer über die Straße, erwischte beinahe einen Fußgänger, bevor ich sie wieder hochziehen konnte. Sie landete auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses und bewegte sich nicht mehr.

- „Ist sie jetzt kaputt?“, fragte mein Sohn bekümmert.

- „Warte doch mal.“

Mit etwas Gefummel an der Fernsteuerung konnte ich sie wieder in die Luft bringen. Sie raste mit einem Affenzahn auf uns zu und knallte hinter uns an die Wand. Gottseidank wurde niemand verletzt. Nur die Drohne war kaputt.

Sie liegt immer noch wie eine stille Anklage auf der Terrasse herum, neben einem dieser Eier aus Gips, in denen sich ein kleiner Dinosaurier verbirgt, den man dann da rausklopfen soll, was eine Riesensauerei verursacht. Ich sagte einmal, dass ich diesen ganzen Kram jetzt wegschmeiße, aber mein Sohn protestierte entschieden: Das alles sei so eine schöne Erinnerung an seine Kindheit! Dagegen war ich machtlos.

Und die Aussichten für die kommende Zeit? Meine Tochter spricht den ganzen Tag nur noch von so einer komischen Kugel, die sie unbedingt haben muss. Darin verbirgt sich ein Überraschungstier. Bevor man zum „surprise pet“ vordringt, muss man verschiedene Schichten der Kugel abtragen. Im Verkaufstext heißt es: „Entdecke Lage für Lage die verschiedenen Überraschungen und lüfte schließlich das Geheimnis, welchen Charakter du erhältst! Eine Geheimnachricht, Sticker, Fläschchen, Schuhe, Outfit, Accessoire, zwei Überraschungen und ein Püppchen sind auf den neun Lagen verteilt.“ Ich würde sagen: Erst auf den neun Lagen, bald in unserer ganzen Wohnung.

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