Mamas & Papas

Warum Frauen nicht ins Bordell gehen müssen

Weibliche Solidarität gibt es beim Kampf um die Karriere nur selten. Unter Müttern sieht das ganz anders aus.

Judith Luig mit Tochter Fiona

Judith Luig mit Tochter Fiona

Foto: Reto Klar

Irgendwann zu später Stunde bei einer Uni-Party, auf der die beiden Bankerinnen sich zwei Studis als Toy-Boys angelacht haben, stellt die Heldin der Serie ihre Kollegin vor die Wahl. „Wir sind halt Frauen“, sagt sie „und Frauen arbeiten nicht zusammen, die bilden keine Clubs, die gehen auch nicht zusammen in den Puff, wir tun lieber, als würden wir uns hassen, und machen uns gegenseitig kaputt.“ Die Angesprochene versteht die Warnung. Am nächsten Tag, im Büro, beendet sie als erste die Revolte gegen die Heldin. Die Männer machen mit. Ab dann läuft es.

Ausgerechnet Bad Banks. Diese gefeierte ZDF-Serie mit der man sich im deutschen Fernsehen auf einmal auf dem Niveau von weltweiten Bustern wie „House of Cards“ und „Sopranos“ sieht, mit ihrem Zurschaustellen von Machtgeilheit, Protzgehabe, von Dominanz-Fantasien und Manipulation. Ausgerechnet die ist ein feministisches Manifest, wie es lange keines gab.

Dabei sind die Frauen hier nicht besser als die Männer, oder schlechter. Im Gegenteil. Sie sind einfach gleich. In Bad Banks mischen außergewöhnlich viele Frauen auf jeder Ebene mit. Das zieht sich von der Investmentbankerin runter zur Security-Mitarbeiterin. Und am Ende verrät uns der Ausblick auf die nächste Staffel: Die beiden Frauen von der Studi-Party werden Verbündete bleiben. Weibliche Solidarität – immerhin gibt es sie jetzt im Film, wenn es schon in der Wirklichkeit hakt.

Männer schließen Männerbünde, Frauen, die Karriere machen, sind Einzelkämpfer. Solidarität unter Kolleginnen gibt es natürlich, aber nur unter denen der unteren Ebene. Wer höher hinaus will nimmt kein Netz. Im Gegenteil. Die einzige meiner Kolleginnen mit einer Raketen-Karriere (in vier Jahren von der Praktikantin zur Ressortleiterin), machte systematisch vor dem Chef die Arbeit der Kolleginnen schlecht oder erklärte deren Leistungen zu ihrem eigenen Verdienst. Warum Frauen das Netzwerken nicht mehr nutzen ist mir ein Rätsel. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen in höheren Positionen in Deutschland so selten sind, dass sie mehr auffallen. Einer der erfolgreichsten Frauen, die ich je interviewte erklärte mir, als sie den Job im Vorstand bekam, hätten ihre Kollegen gesagt: Aber jetzt bitte nicht sofort eine andere Frau nachholen. Kann man sich vorstellen, dass so etwas jemals zu einem Mann gesagt wurde?

Über "Momunity" sollen sich Mütter vernetzen

Aber jetzt scheint sich tatsächlich etwas zu ändern: Die Mütter. Dank technologischer Entwicklung bilden sich auf einmal ganz neue Netzwerke. Gruppen auf Facebook, Online-Communitys. Gerade ist Momunity an den Start gegangen, eine App über die sich Mütter mit anderen Müttern vernetzen können. Wozu genau, das kann man selbst bestimmen.

Ich bin in drei verschiedenen Gruppen von Frauen, die nicht viel mehr miteinander teilen, als dass sie kleine Kinder haben. Das gilt für eine sehr große Menge von Frauen, und wahrscheinlich sind unsere tatsächlichen Lebensumstände himmelweit voneinander entfernt und träfen wir uns in einer Bar, hätten wir nichts zueinander zu sagen. Und doch tauschen wir im Internet intensivst unsere Gedanken und Erfahrung zu Kinderernährung, Babyschlaf oder Schulwahl aus. Das ist unfassbar hilfreich. So wie man als Mutter sich mit anderen Mütter zu einem bestimmten Zweck vernetzt, egal, ob die einem nun sympathisch sind oder nicht, könnte man mit Kolleginnen netzwerken, auch wenn man nicht deren Freundin sein will.

Wie das gehen könnte, machen gerade die Mompreneurs vor, eine Online-Community für selbstständige Frauen, die auch Zeit für ihre Kinder haben wollen. „Mütter sind die am meisten unterschätzte Ressource der Wirtschaft“, sagt die Gründerin und bietet deswegen einen Austausch, der ganz einfach von zu Hause aus über den Computer läuft. Wann auch immer man Zeit dafür hat. Es kann ja nicht immer über den Toy-Boy auf der Studi-Party laufen.

Mehr zum Thema:

Ein Zahn ist so viel wert wie ein Fahrrad

Warum die U7 auch ein Test für die Eltern ist

Wo früher Hamster waren, sind heute Zombies

Warum die Bahn mehr Abteile für Familien mit Kindern braucht