Mamas & Papas

Wenn der Kater als Spinnenvertilger ein Reinfall ist

Wenn Eltern und Kinder beim Miteinander von Spinnen, Insekten und Menschen verschiedene Ansätze verfolgen, kann es schon mal zu Problemen kommen.

Das größte Hindernis bei der Bekämpfung von Spinnen ist für Sandra Garbers ihre fünfjährige Tochter.

Das größte Hindernis bei der Bekämpfung von Spinnen ist für Sandra Garbers ihre fünfjährige Tochter.

Foto: Reto Klar

Ich habe einen Zielkonflikt. Innerhalb von zwei Wochen habe ich in Garten und Haus drei mindestens suppentellergroße Riesenspinnen entdeckt. Wenn man noch die diversen Schuster im Keller dazu zählt und das kleine rote Exemplar, das neulich über das Fensterbrett gelaufen ist, kann ich jetzt schon voraussagen, dass dies der Sommer der Spinnen wird. Ich hatte 15 Jahre lang kaum Kontakt mit Spinnen, weil ich zwei Katzen hatte, die hervorragende Spinnenfänger und -vertilger waren. Der neue Kater ist in dieser Hinsicht ein Totalausfall.

Doch das größte Hindernis bei der Bekämpfung der achtbeinigen Viecher ist die fünfjährige Tochter. Sie verlangt von mir, dass ich Spinnen mit Hilfe eines Glases und eines Blatt Papiers in den Garten hinausexpediere, damit sie dort fortan ein glückliches Spinnenleben auf meinen Blumentöpfen führen können. Das ist aus zwei Gründen nicht möglich: 1. Ich habe eine Spinnenphobie, weshalb 2. ihre Fortpflanzung unbedingt zu unterbinden ist. Das macht man am besten, indem man sie aus sicherer Entfernung mit Paral besprüht, mit einem Schuh erledigt (schwierig für Phobiker) oder mit dem Staubsauger aufsaugt. Wobei das mit dem Staubsauger auch nicht immer so ein guter Tipp ist. Kürzlich öffnete eine Freundin, die gerade ihren Keller renoviert, ihren Staubsauger und heraus kam eine riesige Spinne, weiß vor Baustaub. Eine Geisterspinne. Ein Albtraum. Als wären die normalen nicht schon schlimm genug. Ich bin nun auf der Suche nach einem Staubsauger mit eingebautem Zerhäcksler. Den gab es schon mal, er wurde aber angeblich wegen unsachgemäßen Gebrauchs durch verzweifelte Männer vom Markt genommen. Kollateralschäden.

Die Fünfjährige redet mir ins Gewissen. „Stell dir vor, du wärst eine Spinne. Möchtest du dann von großen Menschen getötet werden? Spinnen wollen auch leben. Und sie sind so nützlich.“ Na toll, das Kind glaubt noch an die Existenz von Einhörnern, argumentiert aber wie eine Biologielehrerin, wenn es um Sechs- bis Achtbeiner geht. Vermutlich liegt es daran, dass sie in der Kita den falschen Umgang hat. Ihr Freund Karl ist ein ausgesprochener Freund kleiner ekliger Tiere. Die beiden können Stunden damit zubringen, Feuerkäfer zu sammeln und ihnen große Sandpaläste zu bauen. Die Tochter erzählt Karl gerne Neuigkeiten wie: „Weißt du, meine Mama tötet Spinnen!!!!“ Dann schaut Karl mich mit diesem bösen „Von dir nehm ich bestimmt kein Marmeladenbrot mehr an“-Blick an.

Manchmal wenn ich die Tochter abhole und an die Hand nehme, ruft sie: „Vorsicht, ich habe drei Feuerkäfer im Ärmel, nicht zerdrücken.“ Sie will die dann mit nach Hause nehmen, um sie in der Palme im Wohnzimmer auszusetzen. Karl macht das auch so. Karl wünscht sich auch eine Vogelspinne und eine Schlange. Die Fünfjährige sagt: „Ich glaub, ich muss Karl heiraten.“ Und wenn ich sage: Unter dem Blumentopf waren ganz viele Kellerasseln, dann antwortet sie: „Bist du dir sicher, dass es keine braunen Saftkugler waren? Die meisten Erwachsenen verwechseln das.“

Natürlich will man den Kindern so etwas beibringen, wie Achtung vor der Schöpfung, der Natur und überhaupt. Leben und leben lassen. Wenn es um die Tiere mit Fell oder Federn oder meinetwegen auch Schuppen geht, ist das auch kein Problem. Ich liebe Tiere, aber eben nicht alle. Ameisen zum Beispiel möchte ich nicht im Garten beherbergen. Ich stelle kleine, grüne Biofallen auf. Die Fünfjährige fragte mich kürzlich: „Mama, bist du sehr traurig, dass du bei Globetrotter die Ameisen nicht töten konntest?“ Globetrotter ist ein Geschäft, in dem es zu Anschauungszwecken ein Ameisenlabyrinth gibt. Ich glaube, ich muss langsam aufpassen, sonst heiraten Karl und die Tochter nie. Und ich bin schuld.