Mamas & Papas

Kleine Kinderpartylogie

Liebende Eltern organisieren gern tolle Geburtstage für ihren Nachwuchs. Einmal im Jahr soll es eine Riesensause geben. Wie wäre es mit einem Fußballspiel auf Sand im vorwinterlichen November? Die ganze Geburtstagsbande spielt barfuß auf zwei kleine Tore, vor eisigem Wind und Wetter geschützt in einer Halle.

Unser Sohn, einer der Geburtstagsgäste, kam begeistert heim: "Wir hatten einen super Trainer, der hat uns gleich in Mannschaften eingeteilt. Eine Mannschaft war der SV Deppendorf, dann gab es den FC Looserheim und den TuS Versagerhausen."

Alles bestens also. Es gab nur ein Problem - die wunderbare Beach-Soccer-Halle lag, von unserem Heimatbezirk Wilmersdorf aus gesehen, janz, aber wirklich janz weit draußen. "Wir nehmen euren Sohn gern nach der Schule mit", hatte mir der Vater des Geburtstagskindes am Telefon angekündigt, "nur abholen müsst ihr ihn selber." - "Kein Problem", sagte ich leichthin. Am Abend vor der Feier schaute ich auf die Einladungskarte. "Sag mal", fragte ich meinen Mann irritiert, "Postleitzahl 13439 - weißt du, wo das liegt?" Wusste er nicht. Also googelte ich die Adresse. Sieh an: Märkisches Viertel. Da war ich zuletzt in den späten 80er Jahren auf der Suche nach Christiane F..

An Kindergeburtstagen zeigen sich die Charaktere der Eltern. Sag mir, wie du sie feierst, und ich sage dir, wer du bist. Das eine Extrem sind Eltern, die total entspannt an das Thema herangehen. Sie laden die Feier einfach irgendwo ab. Am irrsten fand ich die Einladungskarte am Kühlschrank von Freunden: "Lieber Timmy, ich lade dich sehr herzlich zu meinem Geburtstag in der Kinderbetreuung im Möbelhaus ein." Auch dieser Geburtstag wurde ein voller Erfolg - besagtes Möbelhaus verfügte über eine gut ausgebaute Kinderbetreuungsecke. Es wurde getobt und gespielt, während die Eltern Zeit hatten, die neue Sitzgarnitur für ihr Wohnzimmer auszusuchen. Andere Eltern übernehmen sich komplett. Unsere Tochter war mal zu einem Geburtstag eingeladen, der neue Maßstäbe des Kindergeburtstagsextremismus setzte. Es gab eine Schnitzeljagd, aber nicht eine stinknormale wie bei uns, mit blöden Papierschnipseln, die der Wind wegweht, und Rätseln, die immer zu leicht sind. Hier war die Großfamilie im Einsatz. Der Onkel trug einen in vielen Nächten selbstgemachten Drachenkopf aus Pappmaché, der Vater spielte einen tapferen Ritter, und durch eine geschickte Choreographie tauchten die beiden immer von fern und doch in Sichtweite der Kinder irgendwo im Stadtgebiet auf. Alles war sehr ausgeklügelt arrangiert, sogar eine Busfahrt war dabei - und am Ende wurde der Drache gefangengenommen. Die Kinder waren hin und weg, die Eltern fix und fertig. Sie haben danach nie wieder eine Schatzsuche organisiert. Jetzt gehen sie nur noch zu Jack's Fun World um die Ecke.

Kommende Woche schreibt hier wieder Hajo Schumacher. Das Buch "Mamas & Papas: Wie wir täglich fröhlich scheitern", Diana Verlag, 12,99 Euro, gibt es im Handel.