Mamas & Papas

Eine Absage mit Folgen

Der Schulausflug unserer Tochter wurde kurzfristig abgesagt. Die Direktorin - zugleich Religionslehrerin der Klasse - hatte ihr Veto eingelegt: Zu viele Kinder hätten in ihrer letzten Stunde keine Hausaufgaben dabei gehabt.

Fände nun dieser Ausflug statt, fiele ein weiteres Mal Unterricht aus. Das sei nicht verantwortbar. Also njet, no, nein! Die dritte Klasse blieb im Klassenzimmer.

Das war schade. Denn die Klassenlehrerin hatte passend zum Sachunterricht ein schönes Programm vorbereitet. Es sollte zu den Bienen gehen, zu einem richtigen Imker - für Stadtkinder ein Ereignis. Und jetzt, so kurz vor den großen Ferien, läuft sowieso nicht mehr viel in der Schule. Alle sind urlaubsreif, Kinder wie Lehrer. Heiß war es an diesem Tag allemal. Als ich am Tag der Absage meine Tochter vom Hort abholte und zum Sport brachte, begleitet von einigen ihrer Schulkameraden, sprach ich das Thema an.

"Euer Ausflug ist abgesagt worden...", sagte ich. "Ja, schade", sagte einer. Und eine andere: "Doof. Wir kriegen bestimmt eh hitzefrei." Dennoch machten die Kinder einen gefassten Eindruck. Sie bedauerten die Absage, aber sie kamen damit klar.

Wen es allerdings hart getroffen hat, waren die Eltern. Per E-Mail ging ein Aufschrei der Empörung durch die Elternschaft. Der Tenor: "Ausflug abgesagt? Niemals - mein Kind hat ein Recht auf diesen Ausflug!" Eltern, deren Kind die Religions-Hausaufgabe gemacht hatte, beschwerten sich, weil ihr Nachwuchs Opfer einer Kollektivbestrafung werde. Und jene Eltern, deren Kinder hausaufgabenlos aufgetaucht waren, suchten und fanden Gründe, warum das eigene Kind keinerlei Schuld träfe. Ich war in Sorge, ob der Ausflug nun vor Gericht eingeklagt werde. Oder eine Gruppen-Schmerzensgeldklage wegen des erlittenen Absage-Traumas angestrengt würde.

Um es noch mal klar zu sagen: Auch ich fand diese Absage übertrieben. Aber ich denke, es gibt Dinge, die muss man eben akzeptieren. Wenn eine Schuldirektorin "Nein" sagt, dann ist es halt so. Das ist ihr Recht - sie ist schließlich die Chefin des Ganzen.

Mich wundert, wie viele Eltern die Schule heute als plumpen Dienstleister begreifen. Als hätte man dort ein Jahresprogramm für seine Kinder gebucht - ein Rundum-Sorglos-Betreuungs-Paket aus Pädagogik, Reiseveranstaltung und Animation. Und das Kind hat nun Anspruch auf das maximale Programm. Fällt ein gebuchter Programmpunkt aus, gibt's Rabatz.

Diese Einstellung, von den Eltern vorgelebt, ist nicht gut für die Kinder. Manchmal erleidet man halt Dämpfer, manchmal sogar eine nicht ganz gerechte Kollektivstrafe, das gehört zum Großwerden dazu. Kinder müssen auch Hierarchien lernen - und in der Hierarchie der Schule stehen die eigenen Eltern und die eigenen Wünsche nun einmal nicht an oberster Stelle.

Das ist nicht wie beim Club Med? Stimmt. Aber wie im richtigen Leben.

Nächste Woche schreibt an dieser Stelle wieder Hajo Schumacher.