Wie viel Sauberkeit muss mit Kindern sein?

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Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (Ane)

Seit Melanie (3) und Jonas (1) da sind, ist es in der Wohnung schnell unordentlich und klebrig. Ich finde das nicht schlimm, aber meine Frau läuft ständig mit dem Lappen hinter den beiden her und fordert mich auf, auf mehr Hygiene zu achten: Nase putzen, Hände waschen, ein verkleckertes Hemd sofort wechseln... Wie viel Hygiene im Umgang mit Kindern muss sein? Tom F. aus Steglitz

Manche Kinder entwickeln zumindest phasenweise eine regelrechte Aversion gegen die Reinigungsmaßnahmen ihrer Eltern, anderen macht das scheinbar gar nichts aus. Wenn Melanie in ihr Spiel vertieft ist, findet sie es verständlicherweise nicht angenehm, gestört zu werden und protestiert zu Recht. Ein Kind sollte in seiner Tätigkeit geachtet werden. Beim Spielen werden Kinder schmutzig und das sollten Eltern akzeptieren. Mehrmaliges tägliches Hemdwechseln ist Arbeit für die Eltern und im Falle von Melanie offensichtlich auch Stress für das Kind. Kinder fühlen sich meistens nicht schmutzig und es fehlt ihnen daher das Verständnis, warum sie jetzt eine Reinigung brauchen. Das sollen sie mit der Zeit auch erst lernen und ein eigenes Gefühl für „Schmutz“ und „Sauberkeit“ entwickeln. Einige Regeln sind tatsächlich wichtig im Sinne der Hygiene, wie Händewaschen nach dem Toilettengang, andere Regeln werden von Familie zu Familie sehr unterschiedlich gehandhabt.

Sich schmutzig machen gehört zur kindlichen Entwicklung, es ist ein Schritt dahin, ein kluger, kreativer, lebenspraktischer Erwachsener zu werden. Alles wird angefasst, erkundet und geprüft, dabei ein sauberes Kind zu bleiben ist ganz unmöglich. In unserer Gesellschaft haben wir meist weniger ein Problem mit mangelnder Hygiene, sondern mit dem zu eifrigen Gebrauch von Seife und Desinfektionsmitteln. Denn das macht die Erreger resistent. Zu viel Hygiene schadet daher auch, denn das Immunsystem von Kleinkindern braucht ein regelmäßiges Training, um mit den üblichen Erregern fertig zu werden. Kleine Kinder zwingen ihre Eltern über das eigene Sauberkeits- und Hygieneverständnis nachzudenken. Was muss wirklich sein im Sinne der Hygiene? Was brauche ich, um mich wohl zu fühlen? Versuchen sie einen Kompromiss als Paar zu finden, wie viel Sauberkeit und Ordnung sie brauchen, um sich wohl zu fühlen. Die Bundeszentrale gesundheitliche Aufklärung (www.bzga.de) empfiehlt Eltern folgende sehr einfache Hygieneregel für den Alltag mit Kindern: immer Händewaschen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang, wenn das Kind ein Tier angefasst hat, von draußen kommt oder seine Nase geputzt hat.