Sprechstunde

Wie viel Unterhalt steht meiner Tochter im Austauschjahr zu?

Ich lebe vom Vater meiner Tochter (15) getrennt und habe das alleinige Sorgerecht. Meine Tochter plant in der 10. Klasse ein Auslandsjahr. Der Vater hat seine Bereitschaft zur Beteiligung an den Kosten von 8000 bis 10.000 Euro signalisiert, ich habe eine 50/50-Teilung vorgeschlagen. Das rechnet er nun auf und will vom Unterhalt (599,75 Euro) monatlich 350 Euro einbehalten. Ist das zulässig?

Ihre Tochter hat zwei Eltern, und sie hat gegenüber ihren beiden Eltern einen Unterhaltsanspruch. Wie dieser Unterhaltsanspruch zwischen den Eltern aufzuteilen ist, ist ein typisches Problem, über das es häufig Streit gibt. Deshalb ist es auch verständlich, dass Sie und der Vater sich bisher darüber nicht einigen konnten.

Sie schreiben, dass Sie nach der Trennung von dem Vater die alleinige elterliche Sorge für Ihre Tochter haben. Vermutlich waren Sie mit dem Vater nicht verheiratet und hatten deshalb seit der Geburt alleine die elterliche Sorge für Ihre Tochter. Verheiratete Eltern haben normalerweise nach der Trennung oder Scheidung die elterliche Sorge weiterhin gemeinsam. Allerdings ist die Unterhaltspflicht und die Verteilung zwischen den Eltern nicht davon abhängig, wer die elterliche Sorge ausübt. Wichtig ist hingegen, welcher Elterteil das Kind tatsächlich betreut.

Der Vater will nicht zusätzlich zu den Kosten des Auslandaufenthalts in Costa Rica noch den kompletten Unterhalt zahlen, der sich aus dem Urteil des Familiengerichts ergibt. Die Überlegung des Vaters dazu ist sicher zutreffend. Der Unterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle ist für das normale Leben in Deutschland bestimmt. Sophie lebt aber zurzeit nicht in Deutschland und hat hier keine Kosten. Sophie hat jetzt nur den Unterhaltsbedarf, der durch ihren Auslandsaufenthalt bestimmt ist. Den müssen die Eltern decken. Daneben muss der gerichtliche Unterhalt gar nicht bezahlt werden.

Allerdings ist der Betrag von rund 10.000 Euro, den Sie nennen, sicher nicht ausreichend. Wenn Sophie an ihre Gastfamilie etwas zahlen muss, ist das auch Teil ihres Unterhaltsbedarfs. In Deutschland laufen die Mietkosten des Zimmers weiter, wenn sie nach dem Austausch zu Ihnen zurückkommen wird. Auch das ist zu dem Bedarf zu zählen.

Weil Ihre Tochter während der Monate von keinem Elterteil betreut wird, müssen sich beide diese gesamten Kosten teilen. Für die Berechung des Anteils kommt es darauf an, wie viel jeder von Ihnen verdient. Von dem Monatsverdienst muss zunächst abgezogen werden, wie viel Sie selbst für Ihren Bedarf mindesten brauchen. Die Gerichte nehmen dafür 1.100 Euro monatlich an. In dem Verhältnis, in dem die Restbeträge stehen, müssen die Eltern den Kindesunterhalt tragen.

Ein Beispiel: Wenn Sie 1.600 Euro netto verdienen, bleiben Ihnen 500 Euro neben Ihrem Eigenbedarf. Wenn der Vater 3.100 Euro verdient, bleiben ihm 2.000 Euro, also viermal so viel wie Ihnen. Er muss vier Fünftel des Unterhalts zahlen, Sie ein fünftel. Diese vier Fünftel muss er an Sie während des Auslandsaufenthalts statt des gerichtlichen Unterhalts, nicht zusätzlich, zahlen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Experte für Familienrecht