Ratgeber

War es richtig, unserem Sohn vom Osterhasen zu erzählen?

Unser Sohn Marjan (5) hat bis vor kurzem voller Begeisterung an den Osterhasen geglaubt. Kürzlich kam er etwas verstört aus der Kita nach Hause. Seine Freundin Merle hatte ihm erzählt, dass der Osterhase nicht wirklich existiere, sondern eine Erfindung der Eltern sei, die auch die Ostereier versteckten. War es falsch, Marjan vom Osterhasen zu erzählen? Helena G., Mitte

Fast jedes Kind kennt den Osterhasen als typisches Symboltier für die Osterzeit. Wird es älter, lernt es, dass weder der Osterhase, noch der Weihnachtsmann, die Zahnfee oder die Heinzelmännchen in der realen Welt wirklich existieren. Nichtsdestotrotz behalten die Kinder diese Geschichten meistens in guter Erinnerung.

Kinder lieben und brauchen Märchen und Geschichten. Sie haben viel Freude an der Illusion, am Erzählen und Zuhören.

Ist das Geheimnis vom Osterhasen erst einmal gelüftet, tritt auf beiden Seiten ein Gefühl von Ernüchterung auf. Auf Seiten Ihres Sohnes existiert vielleicht ein schmerzliches Gefühl von Entzauberung. Er ist enttäuscht, dass es den Osterhasen nicht "wirklich" gibt. Und auch auf Seiten der Eltern findet zunächst meistens eine Art Ernüchterung statt, denn auch die Eltern bemerken, dass ihr Kind mehr und mehr Einblick in die Welt der Erwachsenen erlangt. Dennoch: Ihr Sohn hat einen wichtigen Schritt in seinem Leben getan.

Diese Realität ist neu. Ihr Sohn spürt, dass die Erfindung des Osterhasen keine böswillige Lüge von Ihnen war, sondern eine schöne Geschichte, die Nähe und Vertrautheit zwischen ihnen geschaffen hat. Für ihn wird dadurch kein Verlust entstehen, denn es sind seine Eltern und weitere Familienmitglieder, die sich viele Gedanken machen, wie Sie ihm, dem Kind in der Familie, eine Freude bereiten können. Das ist mit Sicherheit ein sehr wohltuender Gedanke.

An dieser Stelle noch eine kleine Empfehlung: Schauen sie doch einmal darauf, wie sich Ihr Verhältnis gegenüber ihrem Sohn zum "Noch-klein-Sein" und zum "Schon-groß-Sein" insgesamt verändert? Wie geht es Ihnen damit? Verbinden Sie damit Freude aber auch ein bisschen Wehmut? Und wie geht es Ihrem Sohn? Ist er lieber noch klein? Oder drängt er darauf, schon ein " Großer" zu sein? Manchmal kann das Ende einer kindlichen Illusion für ein Kind und seine Eltern Anlass sein, auch sonstige Überbleibsel aus Kleinkindtagen hinter sich zu lassen, um neu zu schauen, was jetzt altersgemäß und passend ist.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (ANE)

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