Ratgeber

Wie viel Unterhalt bekommt meine volljährige Tochter?

Ich zahle den richterlich festgesetzten Mindestunterhalt für meine Kinder, 13 und 18, die bei meinem Ex-Mann leben. Zwei Monate vor ihrem 18. Geburtstag habe ich meine Tochter schriftlich gebeten, ihren Unterhaltsanspruch neu berechnen zu lassen.

Sie hat sich dazu nicht geäußert. Nun will sie für ein Jahr als Au pair ins Ausland. Sie wohnt da umsonst und bekommt 300 Euro Taschengeld. Wie errechnet sich ihr Bedarf? Welchen Anteil muss ich davon übernehmen?

Bettina M., Lankwitz

Wer Unterhalt in Anspruch nimmt, sei es von Eltern oder Ehegatten, muss seinerseits ein Mindestmaß an Solidarität zeigen. Für volljährige Kinder heißt das: Sie müssen von sich aus alles mitteilen, was die Eltern für die Ermittlung ihrer Unterhaltspflicht brauchen. Es ist also nicht Ihre Aufgabe, Ihrer Tochter hinterherzulaufen.

Ob und wie viel Unterhalt Sie für Ihre volljährige Tochter zahlen müssen, hängt von mehreren Faktoren ab. Einen Unterhaltsanspruch gibt es nur, wenn Ihre Tochter zielstrebig einer Schul- oder Berufsausbildung nachgeht. Sie muss eigenes Einkommen einsetzen. Dazu gehört auch ein Au-pair-Taschengeld. Wenn sie einen Unterhaltsanspruch hat, muss ihr Vater einen Teil davon tragen. Wie hoch dessen Anteil ist, richtet sich nach seinem Einkommen. Nach dem Abitur kann Ihre Tochter Unterhalt verlangen, wenn sie eine Berufsausbildung macht. Eine Au-pair-Tätigkeit ist das nicht. Solange Sie nicht über die Umstände vollständig informiert sind, müssen Sie nichts zahlen. Wenn allerdings der Unterhaltsanspruch Ihrer Kinder gerichtlich festgesetzt worden ist, dann ist das ein Vollstreckungstitel, der auch nach der Volljährigkeit weiter wirksam ist. Sie müssen dann aktiv werden, um diesen gerichtlichen Unterhaltstitel außer Kraft setzen zu lassen. Für einen Antrag bei Gericht genügt es aber, wenn Sie vortragen lassen, dass Ihre Tochter trotz Aufforderung jeden Kontakt mit Ihnen abgelehnt hätte.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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