Ratgeber

Wie fördern wir unseren begabten Sohn richtig?

Unser Sohn Micha (4) ist für sein Alter sehr weit. Er beschäftigt sich gerne mit Zahlen und geometrischen Figuren. Außerdem kann er rechnen, ansatzweise schreiben und lernt Fahrpläne auswendig. Von einer Freundin wissen wir, dass es psychologische Tests gibt, um eine Hochbegabung festzustellen. Wie können wir ihn optimal fördern, ohne ihn zu "überfördern"? Annette R., Mitte

Sie haben sicherlich recht, Sie sollten Ihren Sohn nicht überfordern. Jedoch ist bei einer Hochbegabung nicht so sehr die Überforderung, sondern eher die Unterforderung das Problem. Wird eine Hochbegabung zu spät erkannt, fühlen sich Kinder meist unterfordert, was soziale Probleme (z.B. Wutausbrüche, sozialer Rückzug, Ängste) und schulische Verweigerung nach sich ziehen kann. Manchmal denken hochbegabte Kinder sogar, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt und versuchen ihre Begabungen, vor anderen Kindern, zu verheimlichen.

Es gibt tatsächlich psychologische Testverfahren, um herauszufinden, ob bei Ihrem Sohn eine Hochbegabung vorliegt. Von einer Hochbegabung wird meist dann gesprochen, wenn der IQ-Wert 130 und mehr aufweist. Allerdings ist eine Leistungsdiagnostik, in dem der IQ Ihres Sohnes bestimmt werden kann, erst im Alter von 6 Jahren möglich. Eine Leistungsdiagnostik wird bei vielen Erziehungsberatungsstellen angeboten und von Psychologen oder Ärzten, durchgeführt. Eine Hochbegabung kann sich nur dann positiv entwickeln, wenn sie frühzeitig erkannt, und dementsprechend gefördert wird. Dies gilt auch für Kinder, bei denen nur der "Verdacht" auf eine Hochbegabung besteht. Wichtig ist, dass Sie auf die Spielinteressen Ihres Sohnes eingehen, auch wenn diese vielleicht etwas anders aussehen, als die von gleichaltrigen Kindern. Intellektuell hochbegabte Kinder brauchen viel "Input", zugeschnitten auf ihre Begabungen. Besonders zu empfehlen sind Spiele, die die Konzentration, Strategie und Logik fördern. Eine angemessene Förderung für Hochbegabte ist eigentlich nichts anderes, als ein Erkennen der speziellen Bedürfnisse Ihres Kindes und dessen individuelle Förderung. Stimmen Sie Ihre Angebote und Anregungen auf die Interessen Ihres Sohnes ab und fördern Sie seine Neugier und Motivation am Lernen.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (ANE)