Ratgeber

Wie finden wir einen Therapeuten für unsere Tochter?

Jana hatte bereits als Kleinkind Probleme mit anderen Kindern. Im Kindergarten hat sie sich selten beteiligt. Jetzt ist sie neun Jahre alt, und es stellt sich die Frage, wie es beim Wechsel auf die Oberschule weitergehen soll. Jana ist begabt, kann dies aber aufgrund ihrer Hemmungen gar nicht zur Geltung bringen. Im Privaten ist sie sehr still und macht oft einen unglücklichen Eindruck. Jetzt suchen wir einen Therapieplatz und sind ganz frustriert, weil es so wenig Kindertherapeuten gibt. Claudia P., per E-Mail

Ich finde gut, dass Sie das nicht auf die lange Bank schieben. Unter Zeitdruck ist es noch schwieriger, einen Therapieplatz zu finden. Ich selbst erlebe es regelmäßig, dass ein Therapiebeginn als "Notfall" kein guter Einstieg ist! Leider handelt es sich auch bei mir bei den meisten Anfragen um "Therapie-Sofort-Klienten". Ich frage mich, ob bei frühzeitiger Suche nicht das Verhältnis von Angebot und Nachfrage deutlich besser wäre. Auf der anderen Seite gibt es nämlich gerade bei den Notfall-Patienten die Beobachtung, dass sie sich einerseits bei sehr vielen Therapeuten bewerben und andererseits die Abbrecherquote sehr hoch ist!

Zuständig für die Bedarfsplanung und -deckung ist die kassenärztliche Vereinigung. Dort sind auch alle Psychotherapeuten registriert, die über die Krankenkasse abrechnen können. Unter www.kvberlin.de gibt es eine gute Suchhilfe für ärztliche und psychologische Psychotherapeuten. Daneben gibt es auch eine Reihe von Angeboten, die selbst finanziert werden müssen. Grundsätzlich unterscheiden sich diese Therapeuten nicht, wenn sie die gleiche Ausbildung durchlaufen haben. Das Kennzeichen hierfür ist die Approbation als ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut.

In anderen Ländern wird die Psychotherapie nicht durch die Beiträge zur Krankenkasse gedeckt, da relativiert sich die Klage über Therapeutenmangel. Allerdings werden durch unser vermeintlich komfortables System die Kinder und Familien in schwierigen Lebenslagen indirekt benachteiligt. Jana sehe ich aber in angemessener Zeit in guten Händen.

Dr. Andreas Wiefel, ehemals Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie-Klinik der Charité, ist Kinder- und Jugendpsychiater mit eigener Praxis in Kreuzberg

Morgen berät Sie Dr. Heidemarie Arnhold zu Erziehungsfragen. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an: familie@morgenpost.de