Sprechstunde

Meine Ärztin empfiehlt einen neuen Abstrich - was bedeutet das?

Silke F. aus Mitte fragt: Meine Frauenärztin hat mich nach meiner letzten Vorsorgeuntersuchung angerufen und mir mitgeteilt, dass ich in drei Monaten noch einmal zu einer Abstrichkontrolle in die Praxis kommen möchte. Ich bin deswegen etwas beunruhigt und möchte wissen: Ist dies gefährlich für mich?

Sehr geehrte Frau F., die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung der Frau im Bereich der Gebärmutter bezieht immer eine Abstrichkontrolle (Gewinnung von oberflächlichen Zellen) am Gebärmutterhals ein. Mit diesen Abstrichen können Zellveränderungen frühzeitig erkannt werden. Die Ursachen dieser Zellveränderungen liegen oft in einer Virusinfektion mit Human-Papillom-Viren. Unter dem Mikroskop werden die Zellen des Abstriches auf Veränderungen untersucht und es lassen sich Muster von Veränderungen des Wachstums der Zellen des Gebärmutterhalses erkennen. Diese Veränderungen können als frühe Vorzeichen vor einer bösartigen Veränderung warnen. Bedeutsam ist die Frage, ob diese Veränderungen der Zellen in ihrer Form, Struktur und ihrem biologischen Wachstumsverhalten auf einer Infektion mit dem Human-Papillom-Virus (HPV) basieren.

Das HPV ist ein häufig durch Geschlechtsverkehr übertragener Erreger, mit dem weit mehr als 80 Prozent aller Frauen im geschlechtsreifen Alter Kontakt haben können. Eine HPV-Infektion verläuft meist unbemerkt und ist lokal begrenzt auf den Gebärmutterhals. Die Infektion kann vollständig ausheilen oder die HP-Viren bleiben in einer Art "ruhendem Zustand" in den Zellen des Gebärmutterhalses erhalten und können irgendwann im Verlauf des Lebens zu einer Veränderung des biologischen Wachstumsmusters der Zellen des Gebärmutterhalses führen. Dies kann die Entwicklung eines Gebärmutterhalskrebses nach sich ziehen.

HP-Viren können mit einem speziellen Test nachgewiesen werden. Hier greifen die Vorsorgeuntersuchungen und Ihre Frauenärztin kann rechtzeitig durch den Abstrich auch kleinste Zellveränderungen im Frühstadium oder eine HPV-Infektion erkennen und eine Behandlung einleiten. Eine Besonderheit besteht bei jungen Mädchen: Diese können vor dem ersten Geschlechtsverkehr eine Impfung für spezielle Gruppen von HP-Viren durchführen lassen. Diese schützt vor einer HPV-Infektion und kann dem Risiko der Ausbildung eines Gebärmutterhalskrebses im späteren Leben vorbeugen.

Ein kontrollbedürftiger Befund wie in Ihrem Fall bedeutet somit nicht, dass bereits eine bösartige Veränderung vorliegt. Ihre Vorsorgeuntersuchung ließ offensichtlich nicht zwischen einer Entzündung oder einer gutartigen Vorstufenveränderung der Zellen des Gebärmutterhalses unterscheiden.

Durch die Wiederholung der Abstrichuntersuchung und die Durchführung eines HPV-Testes kann Ihre Frauenärztin nach dem zeitlichen Intervall sicher zwischen den möglichen Veränderungen unterscheiden. Eine bösartige Veränderung hätte der Abstrich eindeutig gezeigt.

Jörg Schreier ist Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe