Ratgeber

Wie kann ich als Lehrerin Konflikte mit Eltern lösen?

Ich bin Grundschullehrerin und habe einmal einen Schüler am Arm geschüttelt und angeschrien, mich aber hierfür bei ihm und den Eltern entschuldigt. Plötzlich sehe ich mich mit weiteren Anschuldigungen ähnlicher Art konfrontiert, für die es allerdings überhaupt keine Anhaltspunkte gibt. Wie soll ich mich hier verhalten? Diese Situation überfordert mich sehr. Maren G., per E-Mail

Aus Eltern- und Schülersicht ist ganz klar: Übergriffe von Lehrern oder sonstigem Personal auf die Kinder - gleich welcher Art - dürfen nicht sein. Alle Schulen haben Hausordnungen, viele zudem spezielle Regelungen, die Übergriffe durch Schüler sanktionieren. Unabhängig von weiteren juristischen Folgewirkungen (straf- und dienstrechtlich) müssen diese auch analog gegenüber den Erwachsenen gelten.

Ebenso klar ist aber auch, dass falsche Verdächtigungen oder gar Mobbing gleichfalls nicht zu tolerieren sind. Gerade im Grundschulbereich machen jedoch "Spielplatzgerüchte" schnell die Runde und es ist schwer dagegen anzugehen.

Je offener das Klima an der Schule ist, je vertrauensvoller sowie von Wertschätzung und Respekt geprägt der Umgang mit den Kindern und Eltern ist, je ehrlicher die Schule auch insgesamt mit ihren Schwächen umgeht, desto leichter dürfte es sein, bei Konflikten wieder zu einer sachlichen Ebene zurück zu finden.

In den seltensten Fällen wird es Eltern oder deren Kinder darum gehen, eine persönliche Abneigung gegen einen speziellen Lehrer zu artikulieren und diesen mit bewussten Falschaussagen zu schädigen. Gegen Beleidigungen und Verleumdungen kann außerdem ebenfalls strafrechtlich vorgegangen werden, wenn Sie das möchten. Eltern geht es jedoch vor allem sicherlich darum, ihre Kinder vor realen oder vermeintlichen Gefahren zu schützen. Je jünger die Kinder sind, desto ausgeprägter ist meist der Beschützerinstinkt der Eltern.

Versuchen Sie die Klassensituation insgesamt zu entspannen und besprechen Sie ihr Fehlverhalten wie auch die weiteren Gerüchte mit den Kindern, wobei die Kinder auch in ihren vermeintlich subjektiven Wahrnehmungen auf jeden Fall ernst genommen werden müssen.

Mein Tipp an Sie: Gehen Sie aktiv auf die betroffenen Eltern zu und suchen Sie von sich aus das persönliche Gespräch mit ihnen. Das kann möglicherweise auf einem Elternabend sein oder zu anderen Anlässen und gegebenenfalls unter Einbeziehung der an der Schule tätigen Mediatoren oder Sozialpädagogen.

André Nogossek ist Mitglied im Landeselternausschuss

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