Ratgeber

Lange getrennt: Wie gewöhnt sich meine Tochter an mich?

Die Mutter meiner inzwischen acht Jahre alten Tochter Elvira und ich haben uns vor drei Jahren getrennt. Seitdem habe ich aus verschiedenen Gründen meine Tochter nicht mehr gesehen und wir hatten nur telefonischen Kontakt. Nun haben meine Ex-Partnerin und ich endlich eine Umgangsregelung.

Ich werde künftig vier Stunden pro Woche mit Elvira verbringen und freue mich schon sehr darauf. Allerdings bin ich unsicher, wie ich die Kontaktaufnahme so gestalten kann, dass meine Tochter wieder positive Gefühle zu mir entwickelt.

Thomas S., per E-Mail

Ganz sicher hat auch Elvira nach dieser langen Zeit des auf gelegentliche Telefonate reduzierten Kontakts Befürchtungen, wie es werden wird, wenn sie nun ihren Vater wieder regelmäßig sehen wird. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich und ihr Zeit zum Neu-Kennenlernen lassen. Wenn Sie anfangs nur kleine Schritte der Annäherung machen, genau auf die Signale Ihrer Tochter achten und abwarten, bis auch sie Ihnen etwas entgegenkommt, finden Sie bestimmt den richtigen Weg. Es wäre günstig, für die ersten Treffen einen Aufenthaltsort zu wählen, der Elvira vertraut ist, z.B. ihr Lieblingsspielplatz. Sie könnten Ihre Tochter auch bitten, eines ihrer Lieblingsspiele mitzubringen. Mit Photos von Ihnen und Elvira aus der Zeit vor der Trennung können Sie ihr helfen, die Zeitlücke zu überbrücken. Dass Sie nichts Schlechtes über Elviras Mutter sagen, versteht sich von selbst, schließlich liebt Elvira ihre Mutter und würde sich dann verständlicherweise wieder von Ihnen abwenden. Ebenso sollten Sie auf keinen Fall einseitige Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit der Trennung aussprechen. Und achten Sie darauf, dass es keine unangenehmen, bedrückenden und belastenden Situationen beim Abholen oder Zurückbringen von Elvira gibt und dass Sie die getroffenen Vereinbarungen exakt eingehalten. Ihr Ziel, eine dauerhafte gute Beziehung zu Ihrer Tochter wieder herzustellen, erreichen Sie durch klare Absprachen sowohl mit Ihrer Ex-Partnerin als auch mit Elvira. Regelmäßige Gespräche (gegebenenfalls Telefonate) mit Elviras Mutter darüber, wie Elvira mit der neuen Situation zurechtkommt, helfen, eine gute und tragfähige Kooperation aufzubauen.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

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