Sprechstunde

Was soll ich tun, wenn mein Kind sich verletzt?

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Tatjana R. aus Tiergarten fragt: Mein Sohn ist anderthalb Jahre alt. Er hat sich neulich bei einem Sturz am Kopf verletzt und doll geblutet. So etwas kann ja immer wieder passieren. Worauf muss ich dann achten und wie soll ich mich verhalten?

Wenn junge Kinder zunehmend mobil werden und ihre Umgebung erkunden, lassen sich kleinere Unfälle und Stürze auf den Kopf nie ganz vermeiden. Diese gehen zum Glück meist glimpflich aus, denn die Verbindungen zwischen den einzelnen Schädelknochen sind noch elastisch und können Stöße abfangen. Das Gehirn selbst ist durch den Schädel und die umgebende Flüssigkeit geschützt. Daher bleibt es, je nach Art des Unfalls, in der Regel bei äußeren Kopfverletzungen wie Prellung oder Platzwunde.

Stumpfe Gewalteinwirkung führt zu einer Beule mit Schwellung und oberflächlicher Einblutung, die sich in den nächsten Tagen blau und grün verfärbt. Kühlen Sie die Beule sofort, dann wird sie weniger Schmerzen bereiten und schneller wieder verschwinden. Ist die Beule allerdings sehr groß und weich, kann ein Bruch dahinter stehen und sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Aus offenen Wunden strömt am Anfang oft viel Blut, da die Kopfhaut sehr gut durchblutet ist. Das kann dramatisch aussehen, aber die Menge des Blutverlusts ist eigentlich nie ein Problem. Zur Blutstillung sollten Sie eine Mullkompresse oder ein sauberes Taschentuch sanft auf die Wunde drücken. Kleine Wunden können Sie dann von sichtbaren Verunreinigungen säubern, desinfizieren und mit einem Pflaster abdecken. Anhaltend blutende oder klaffende Platzwunden sollten jedoch ohne Verzögerung vom Arzt versorgt werden, ebenso alle Verletzungen im Gesichtsbereich. Denken Sie dabei an den Impfpass, damit der bestehende Schutz gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) überprüft werden kann! In der Notfallpraxis oder Rettungsstelle kann die Wunde geklebt, geklammert oder genäht werden, damit die Wundränder möglichst schön wieder zusammenwachsen.

Innere Kopfverletzungen sind recht selten, sie äußern sich oft mit einer anfänglichen Bewusstlosigkeit nach dem Unfall. Andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Sehstörung, Erinnerungslücken und Verhaltensänderung können aber auch erst mit Verzögerung auftreten und Anzeichen einer Gehirnerschütterung oder Blutung im Kopf sein. Wenn das Kind erbricht, zunehmend müde ist oder unterschiedlich große Pupillen aufweist, muss es daher sofort in einer Klinik vorgestellt werden! Bei schweren Stürzen oder verdächtigen Symptomen wird man Ihnen eine Überwachung im Krankenhaus empfehlen, um Zeichen einer ernsten Kopfverletzung rasch erkennen und die Notfallbehandlung einleiten zu können.

Als Kinderärzte und Unfallärzte fühlen wir uns natürlich nicht nur für die Behandlung verletzter Kinder verantwortlich, sondern auch für gute Ratschläge zur Vermeidung von Unfällen: Schnallen Sie Ihr Kind im Tragesitz und Kinderwagen immer an; lassen Sie einen Säugling nur auf dem Boden und nicht auf Wickeltisch, Sofa oder Bett liegen; lassen Sie ein Kleinkind niemals bei geöffnetem Fenster oder auf dem Balkon alleine und lassen Sie es nicht auf Möbel klettern; verzichten Sie bis zum Grundschulalter aus Sicherheitsgründen auf ein Hochbett; lassen Sie Ihr Kind erst Laufrad oder Roller und dann Radfahren lernen und dabei einen Helm aufsetzen! Alle Kinder sollen aktiv und in Bewegung sein, um ihre Fähigkeiten auszuprobieren und auszubauen. Kleine Beulen und blaue Flecken gehören als normale Erfahrung dazu, aber dabei soll es auch bleiben!

Michael Barker, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin