Ratgeber

Wie übersteht ein Kind unbeschadet die Trennung der Eltern?

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Meine Schwester und mein Schwager wollen sich nach sechs Jahren Ehe scheiden lassen. Ihr fünfjähriger Sohn Robert weiß davon noch nichts. Die beiden gehen das bisher sehr vernünftig und ohne große Streitigkeiten an.

Sie machen sich viele Gedanken darüber, wie sie nach der Trennung ihre neuen Lebenssituationen so einrichten können, dass Robert möglichst wenig darunter leidet. Gibt es Erkenntnisse und Erfahrungen darüber, wie Eltern eine Trennung möglichst glimpflich gestalten können? Katrin B. aus Spandau

Es gibt für Trennungssituationen kein Patentrezept: Da jede Familiensituation anders und einzigartig ist, kann es keine eindeutige Empfehlung für einen immer funktionierenden "guten" Trennungsprozess geben. Wichtig ist immer, dass den trennungswilligen Eltern klar ist, dass sie die Verantwortung tragen und dass sie die Kinder davor schützen müssen, sich für die Trennung ihrer Eltern schuldig zu fühlen. Generell kann gesagt werden, dass für Trennungskinder diejenige Nach-Trennungs-Regelung die beste ist, die beide Elternteile aus Überzeugung als guten und fairen Kompromiss und mit Blick auf das Wohlergehen der Kinder treffen und leben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Robert die anstehenden Veränderungen schon gespürt hat: Kinder registrieren sehr sensibel Spannungen zwischen den Eltern. Diese Verunsicherung führt häufig zu einer Mischung aus Hoffen und Bangen und die Kinder trauen sich nur selten, diese Gefühle ihren Eltern gegenüber auszusprechen. Deshalb brauchen sie schon möglichst früh klare Informationen. Und Zuwendung und Aufmerksamkeit von beiden Elternteilen. Durch spürbare Nähe kann ein Teil der durch die Verunsicherung entstehenden Belastungen ausgeglichen werden. Kinder brauchen die glaubhafte Zusicherung, dass sie auch nach der Trennung der Eltern von diesen weiterhin genauso geliebt werden wie vor der Krise und dass beide Eltern weiterhin für sie da sein werden. Auf keinen Fall sollte ein Elternteil versuchen, das Kind zu seinem Verbündeten machen zu wollen, weil dies das Kind in schlimme Loyalitätskonflikte stürzen und zu großen Schuldgefühlen führen würde! Sollten Ihre Schwester und Ihr Schwager für den anstehenden Trennungsprozess Unterstützung benötigen, dann sollten sich die beiden an eine Familienberatungsstelle wenden.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

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