Ratgeber

Wie finde ich heraus, ob ich der Vater meiner Tochter bin?

Ich habe gelesen, dass jedes zehnte Kind ein Kuckuckskind sei, das dem Ehemann untergeschoben worden ist. Dadurch sind meine Zweifel, ob unsere Tochter wirklich von mir stammt, verstärkt worden. Ich will aber nicht, dass meine Frau etwas davon erfährt. Gibt es eine Möglichkeit, das Problem zu klären? Thorsten L., Siemensstadt

Die enorm hohe Zahl von Kuckuckskindern ist tatsächlich jahrelang verbreitet worden. Vor kurzem wurde aber von einer wissenschaftlich seriösen Studie berichtet, die im Zusammenhang mit der Suche nach Knochenmarkspendern durchgeführt worden ist. Danach stammt weniger als ein Prozent der Kinder nicht von dem Mann ab, der als ihr Vater gilt. Die Feststellung, ob Sie der leibliche Vater Ihrer Tochter sind, ist heute technisch relativ einfach. Durch einen Vergleich der Erbsubstanz in Körperzellen von Ihnen und von Ihrer Tochter lässt sich das ermitteln. Diese Erbsubstanz ist leicht zu erhalten, etwa in einem Kaugummi, das Ihre Tochter hinterlässt, oder in Haaren aus ihrer Haarbürste. Wenn Sie diese Proben zum Vergleich mit Proben von Ihnen an ein spezialisiertes Institut schicken, werden Sie bald eine zuverlässige Antwort haben. Allerdings hat der deutsche Gesetzgeber entschieden, dass Sie den Test nicht ohne Kenntnis der Betroffenen machen dürfen. Der genetische Code eines jeden Menschen ist Teil seines geschützten Persönlichkeitsrechts, über das Sie nicht ohne dessen Zustimmung verfügen dürfen. Wenn Ihre Tochter noch minderjährig ist, muss also auch deren Mutter zustimmen. Diese Zustimmung darf sie indes nicht verweigern. Das Gesetz verlangt einerseits die Zustimmung und verpflichtet andererseits auch jeden dazu, diese Zustimmung zu geben. Damit ist Ihnen der Weg zu einer Überprüfung eröffnet. Sie dürfen ihn aber nicht heimlich gehen.

Ob die Entscheidung des Gesetzgebers sehr klug war, kann man bezweifeln. Sollte sich bei dem Test herausstellen, dass Sie wirklich der Vater Ihrer Tochter sind, kann es für den Familienfrieden besser sein, wenn niemand etwas von dem Verfahren erfährt. Gerade für das Verhältnis zu Ihrer Tochter kann es problematisch sein, wenn sie die Zweifel ihres Vaters kennt. Der heimliche Vaterschaftstest ist trotz der gesetzlichen Bestimmung nicht völlig ausgeschlossen. Es ist nicht strafbar, wenn Sie heimlich eine Haarprobe Ihrer Tochter zur Untersuchung schicken. Das Ergebnis ist nur nicht gerichtlich verwertbar. Es ist auch nicht sicher, ob ein deutsches Institut ohne die erforderliche Einwilligung Ihrer Frau eine Untersuchung durchführen wird.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen beantwortet André Nogossek vom Landeselternausschuss Fragen.