Ratgeber

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum "Sauberwerden"?

Meine Tochter Verena wird im September drei Jahre alt. Sie Von den fünf Kindern in ihrer Spielgruppe Gruppe sind zwei Kinder schon seit einigen Wochen "trocken", brauchen also zumindest tagsüber keine Windeln mehr.

Wir Mütter haben darüber diskutiert, wann denn der günstigste Zeitpunkt ist, mit der Sauberkeitserziehung der Kinder zu beginnen. Wir sind in dieser Frage unterschiedlicher Meinung. Können Sie mir sagen, ab wann ich bei Verena damit beginnen soll, sie trocken zu bekommen?

Martina P. aus Spandau

Generell ist es so, dass jedes Kind seinen ganz eigenen Zeitpunkt hat, wann es damit beginnt, zu lernen, seine Blase kontrollieren zu können. Da dieses Erlernen ein allmählicher Prozess ist, macht es keinen Sinn, vor dem Abschluss der dafür nötigen Reifungsschritte mit der Sauberkeitserziehung zu beginnen. Erst wenn Sie merken, dass Verena selbst beginnt, auf Signale wie den natürlichen Harndrang zu reagieren, können Sie damit beginnen, ihr ohne jeden Druck den Gang auf ein Töpfchen (das im Badezimmer stehen sollte) oder zur Toilette (mit einem Kinder-Aufsatz) anzubieten.

Die Herausbildung der bewussten Kontrolle über ihre Harnblase findet im Alter von drei bis fünf Jahren statt, eher selten etwas früher oder noch etwas später. Sie sollten sich also durch die "Erfolge" der beiden Kinder in Verenas Gruppe nicht unter Druck setzen lassen! Es ist sowohl für die anderen Kinder als auch für Sie und die anderen Mütter hilfreich und entlastend, wenn alle dem Thema Sauberkeitserziehung mit der größtmöglichen Gelassenheit und Ruhe begegnen.

Verena wird Sie, wenn sie so weit ist durch ihr Verhalten darauf hinweisen, dass sie nun bereit ist, schrittweise trocken zu werden. Ständiges Fragen ("Musst du jetzt?") verunsichert ein Kind. Es lernt von allein, wann es muss. Typischerweise wird ein Kind unruhig, wenn es den Harndrang verspürt, bewegt sich Richtung Bad oder fasst sich an die Windel. Manche Kinder sagen in einer solchen Situation auch schon "Pipi". Wenn Sie Verena in dem Moment fragen, ob sie auf den Topf oder auf die Toilette möchte, haben Sie getan, was Sie können und sollen. Stellen sich dann bald die ersten erfolgreichen Toiletten-Gänge ein, dann sollten Sie nicht mit Lob sparen und bei eventuellen Fehlversuchen nicht kritisieren, sondern nur aufmunternde Worte finden.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

Die vorangegangenen Antworten unserer Experten finden Sie unter morgenpost.de/familie/expertenfrage . Morgen berät Sie Dr. Max Braeuer in Rechtsfragen. Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de