Ratgeber

Dürfen die Kinder meines toten Mannes beim Erbe mitreden?

Mein Mann und ich hatten ein Berliner Testament. Er ist vor zwei Jahren gestorben. Ich habe ihn beerbt. In dem Testament steht auch, dass nach meinem Tod die beiden Kinder, die aus einer früheren Ehe stammen, alles erben sollen. Ich möchte aus Berlin wegziehen und das Haus verkaufen, das ich von meinem Mann geerbt habe. Die Kinder drohen mir nun, sie würden mich verklagen, wenn ich das tue. Haben sie aufgrund des Testamentes das Recht dazu?

Wenn einer der Eheleute stirbt, muss die Erbfolge geregelt werden. Nach dem Tod des anderen ein weiteres Mal. Die beiden Erbfälle sind völlig unabhängig voneinander. Ein Berliner Testament fasst die Erbfälle in typischer Weise zusammen. Verstirbt einer der beiden Eheleute, so wird er von dem anderen allein beerbt, die Kinder erben zunächst gar nichts. Sie müssen warten bis zum Tod des zweiten und erben von diesem dann alles, was er hinterlässt. In einem Berliner Testament müssen als Erben des zuletzt sterbenden Ehegatten nicht unbedingt gemeinsame Kinder eingesetzt werden. Es können, wie in Ihrem Fall, auch die Kinder nur von einem sein.

Das Berliner Testament ist ein gemeinschaftliches, das die Eheleute zusammen verfasst haben. Dadurch ergibt sich die Besonderheit, dass das Testament nicht mehr geändert werden kann, wenn einer von beiden gestorben ist. Obwohl Sie das Testament jetzt nicht mehr ändern können, verschafft es den Kindern zu Ihren Lebzeiten noch keine Rechte. Sie sind als Erbin uneingeschränkt Herrin Ihres Vermögens, sowohl Ihres eigenen wie des geerbten. Ein Mitspracherecht hätten die Kinder nur, wenn sie aufgrund des Testaments Nacherben geworden wären und Sie nur Vorerbin. Das kommt aber selten vor. Ein Berliner Testament enthält das nicht. Sie sind uneingeschränkte Vollerbin. Sie können mit dem Haus, das Sie geerbt haben, machen, was Sie wollen. Eine Klage der Kinder Ihres Mannes müssen Sie nicht befürchten.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen beantwortet André Nogossek vom Landeselternausschuss Ihre Fragen.