Sprechstunde

Meinen Töchtern wird im Auto schlecht - was kann ich tun?

Maria P. aus Spandau fragt: Jedes Mal, wenn wir in den Urlaub fahren, graust mir schon vorher vor der Fahrt. Meinen beiden Töchtern, fünf und sieben Jahre alt, wird jedes Mal schlecht. Was kann ich dagegen tun, welche Mittel gibt es?

Die Reisekrankheit, auch Kinetose oder Bewegungskrankheit genannt, tritt gehäuft bei Kindern zwischen dem zweiten und zwölften Lebensjahr auf. Vorher ist der Gleichgewichtssinn noch nicht entwickelt, so dass Babys in der Regel nicht betroffen sind. Bei manchen Kindern kommt die Übelkeit ganz plötzlich, meistens kündigt sich die Reisekrankheit aber mit einem Vorstadium an. Die Kinder beginnen leicht zu frösteln, fangen an zu gähnen und sind schlechter ansprechbar. Ausgelöst wird die Krankheit durch eine "Fehlermeldung" zwischen dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und dem Gehirn.

Folgendes können Sie tun, um eine Urlaubsfahrt so gut wie möglich hinter sich zu bringen:

Treten Sie Ihre Ferienreise entspannt an - übermüdete Kinder reagieren sensibler. Außerdem bietet es sich an, in der Nacht mit dem Auto zu fahren, da Kinder dann schlafen und das Gleichgewichtsorgan nicht so stark reagieren kann wie am Tag. Ungünstig ist ein leerer oder auch zu voller Magen. Lassen Sie Ihre Töchter alle zwei Stunden etwas Leichtes essen (zum Beispiel Obst, Zwieback oder Brot), am besten verbunden mit einer Fahrpause für frische Luft und Bewegung.

Über Kopfhörer ein Hörspiel anzuhören, lenkt die meisten Kinder ab, während beim Lesen die Bewegungskrankheit häufiger auftritt. Ihre Kinder sollten daher möglichst nicht lesen.

Kinder sollten im Auto nach vorne schauen können, damit sie weit Entferntes sehen können. Sollte eine Ihrer Töchter vorne sitzen, achten Sie auf einen guten, gesicherten Kindersitz und darauf, dass ein möglicher Airbag ausgeschaltet ist, da dieser für einen 75 Kilogramm schweren Menschen konzipiert ist und nicht für ein vergleichsweise leichtes Kind.

Sind die Symptome auf der Reise schon weiter fortgeschritten, machen Sie eine Pause. Steigen Sie aus, atmen Sie durch: Lassen Sie das Kind tief durch den Mund atmen und reichen ihm etwas frisches Wasser und salzige Kräcker. Ist der Kreislauf mit betroffen (das zeigt sich an kaltem Schweiß auf der Haut), können Sie Ihre Tochter auch hinlegen und eventuell die Füße hoch lagern. So kommt der Kreislauf wieder in Schwung.

Medikamentös hat sich Diphenhydramin bewährt. Diesen Wirkstoff gibt es ohne Rezept in Form von Tabletten, Kaugummis, Tropfen oder Zäpfchen. Die Kaugummis wirken bereits nach einigen Minuten, sind unkompliziert anzuwenden und helfen deshalb besonders gut.

Übrigens: Langjährige Kapitäne der Seefahrt schwören auf das Kauen von Ingwerwurzeln gegen Seekrankheit, dies ist jedoch bei Kindern eher unbeliebt. Ingwer-Tabletten oder Ingwer-Tee oder auch Pfefferminzbonbons sind aber einen Versuch wert.

Bei der Anwendung des homöopathischen Wirkstoffes Cocculus oder auch von Akupressurbändern an den Handgelenken, die gegen Reisekrankheit angeboten werden, ist die Wirksamkeit nicht bewiesen, allerdings weiß ich, dass viele der Betroffenen davon begeistert sind.

Beatrix Schmidt, Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin