Sprechstunde

Ist ein Fieberkrampf für mein Kind gefährlich?

Anne G. aus Charlottenburg fragt: Unser Sohn (1 ½ Jahre) hatte letztens einen Fieberkrampf. Das hat mich sehr erschreckt. Wie gefährlich sind Fieberkrämpfe?

Der erste Fieberkrampf eines Kindes ist für die meisten Eltern ein Erlebnis, das sie sehr verängstigt und verunsichert. Die plötzliche Bewusstlosigkeit, das Verdrehen der Augen, der scheinbare Atemstillstand und das Zucken oder Erschlaffen des ganzen Körpers lassen sie Schlimmstes befürchten, sie sind in Sorge um das Leben ihres Kindes. Oft wird das Fieber erst bemerkt, wenn der Anfall auftritt.

Für Ärzte ist ein Fieberkrampf ein Ereignis, das zur alltäglichen Routine gehört. Bei zwei bis fünf Prozent aller Kinder treten Fieberkrämpfe auf. Das typische Alter liegt zwischen sechs Monaten und sechs Jahren mit einem Häufigkeitsgipfel im zweiten Lebensjahr. Zwei Drittel der Kinder haben nur einen Fieberkrampf, ein Drittel hat mindestens einen weiteren und lediglich fünf Prozent haben mehr als drei Fieberkrämpfe. Einen einfachen Fieberkrampf haben 80 Prozent der Kinder, bei 20 Prozent tritt ein komplizierter Fieberkrampf auf. Dieser ist durch die lange Dauer des Anfalls von über 15 Minuten, wiederholte Anfälle während eines Infektes oder Anfälle gekennzeichnet, die nur eine umschriebene Körperregion betreffen, sogenannte "fokale Anfälle".

Wenn das Kind in die Klinik kommt, muss zuerst geklärt werden, ob Symptome bestehen, die für eine Hirnhautentzündung als Ursache des Krampfanfalls sprechen. Können die Befunde für eine Hirnhautentzündung sprechen, muss eine Untersuchung des Nervenwassers (Lumbalpunktion) erfolgen. Besonders bei Säuglingen können die typischen Symptome wie Nackensteifigkeit oder hohes Fieber fehlen. Deshalb muss die Entscheidung für eine Lumbalpunktion bei Säuglingen wesentlich großzügiger gestellt werden als bei älteren Kindern.

Die Ursache für das Auftreten von Fieberkrämpfen bleibt meist ungeklärt. Die wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten sind Fieberkrämpfe in der Familie und die Neigung des Kindes zu hohem Fieber. 90 Prozent der Fieberkrämpfe hören nach einigen Minuten von selber auf. Ziel der medikamentösen Anfallsunterbrechung ist, dass lang andauernde Fieberkrämpfe verhindert werden. Es stehen einfach zu verabreichende Medikamente zur Verfügung. Am gebräuchlichsten sind kleine Rectiolen, die in den Po eingeführt werden. Eine andere Möglichkeit sind schnell auflösende Tabletten, die unter die Zunge gelegt werden. Zusätzlich werden fiebersenkende Medikamente gegeben. Bei wiederholten Fieberkrämpfen, die rasch unterbrochen werden können, muss das Kind nicht jedes Mal in die Klinik.

Fieberkrämpfe hinterlassen keine Entwicklungsstörungen und keine neurologischen Symptome. Vermieden werden sollen lang anhaltende Fieberkrämpfe, die Spätfolgen haben können. Nur bei einer kleinen Gruppe der Kinder mit einem Fieberkrampf ist das der Beginn einer Epilepsie.

Wichtig ist, dass alle Personen, die an der Betreuung des Kindes beteiligt sind, darüber informiert sind, dass ein Fieberkrampf auftreten kann und darüber Bescheid wissen, was in einem solchen Fall zu tun ist. Dann ist ein Fieberkrampf zwar ein beeindruckendes aber ungefährliches Ereignis.

Arpad von Moers ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin