Ratgeber

Meine 16-jährige Tochter kommt nachts zu spät nach Hause

Ich habe einen Dauer-Konflikt mit meiner fast 16-jährigen Tochter Vera. Es gibt an fast jedem Wochenende Streit darüber, wie lange sie abends wegbleiben kann. Vera ist am Freitag oder Samstag mit ihrer Clique unterwegs. Dagegen habe ich nichts einzuwenden, aber Streit gibt es jedes Mal über den Zeitpunkt ihrer Rückkehr.

Ich sage ihr regelmäßig, dass sie spätestens um 22 Uhr wieder zu Hause sein soll, aber sie kommt meist erst gegen 23 Uhr zurück. Meine Versuche, ihr Zuspätkommen zu bestrafen, verpuffen in der Regel (auch, weil ich nicht konsequent sein kann). Wie kann ich eine Regelung finden, die auch funktioniert? Andrea F. aus Rudow

Offensichtlich fällt es Ihnen genauso schwer wie Ihrer Tochter, eine Absprache zu finden, mit der sie beide gut zurechtkommen können! Setzen Sie sich doch mit Vera an einem entspannten Nachmittag zusammen und besprechen sie beide, wie sie das mit dem Nach-Hause-Kommen am Wochenende zukünftig so regeln können, dass sowohl Sie als auch Vera davon überzeugt sind, dass die dann getroffene Verabredung auch funktionieren kann - zumindest für einen gewissen Zeitraum. Denn solche Vereinbarungen müssen regelmäßig überprüft und dem weiteren Heranwachsen von Vera immer wieder neu angepasst werden! Es geht bei dieser Frage auch um das Vertrauen, das Sie Vera entgegenbringen können und um die Frage, ob Vera in der Lage ist, mehr Eigenverantwortung bei der Einhaltung einer Absprache zu entwickeln. Bringen Sie deshalb Vera Vertrauen entgegen. Das ist notwendig, damit sie sich mit ihren Wünschen respektiert und von Ihnen ernst genommen fühlt. Erst dann wird sie es schaffen, die neue Vereinbarung aus eigener Überzeugung mitzutragen! Vereinbaren Sie also mit Vera einen realistischen Heimkehr-Zeitpunkt, der einen guten Kompromiss zwischen Ihren und Veras Vorstellungen darstellt und besprechen sie beide auch gleich einen Notfall-Plan für Situationen, in denen sich Vera unverschuldet verspäten könnte (S-Bahn-Ausfall o.ä.). Vera könnte Sie in solchen Ausnahmesituationen z.B. rechtzeitig (!) per Handy darüber informieren, dass sie sich aus einem solchen oder einem anderen Grund verspäten wird. Sie könnten ihr anbieten, sie dann abzuholen oder sie an einer wohnortnahen Haltestelle zu erwarten. Probieren sie beide diese neue Vereinbarung einige Wochen lang aus und sparen Sie nicht mit Lob, wenn Sie merken, dass Vera ernsthaft an einem Funktionieren dieser Absprache mitwirkt.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

Morgen berät Sie Dr. Max Braeuer in Rechtsfragen. Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de