Ratgeber

Muss ich meiner erwachsenen Tochter ihr Kind überlassen?

Meine Tochter hat ein Kind bekommen, als sie noch zur Schule ging. Jetzt ist sie 17. Ich habe mich um mein Enkelkind gekümmert, die Kleine wohnt auch bei mir. Das Jugendamt hat mich zum Vormund bestellt. Meine Tochter hat jetzt angekündigt, mit dem Vater des Kindes zusammenzuziehen und das Kind zu sich zu nehmen, sobald sie 18 ist. Ich halte meine Tochter aber für unreif. Muss ich ihr das Kind geben? Sandy F., Hohenschönhausen

Das Familiengericht musste für Ihr Enkelkind einen Vormund bestellen, weil die Mutter noch minderjährig ist. Das bedeutet, dass auch der Vater des Kindes nicht die elterliche Sorge hat. Entweder ist er auch minderjährig, oder er hat als nichtehelicher Vater die elterliche Sorge nicht übernommen.

Dafür wäre es notwendig, dass er mit der Mutter gemeinsam beim Jugendamt oder bei einem Notar eine Sorgeerklärung abgegeben hat. Ihre Tochter könnte das Kind aber auch jetzt schon zu sich nehmen. Denn sie hat auch schon jetzt die elterliche Sorge. Darin ist sie nur so weit beschränkt, wie sie als Minderjährige auch noch in ihrer Geschäftsfähigkeit beschränkt ist.

Ihre Stellung als Vormund endet automatisch, wenn Ihre Tochter volljährig ist. Als Mutter kann sie entscheiden, wo ihr Kind lebt. Das ist das natürliche Recht der Mutter, und es kommt nicht darauf an, ob Sie Ihre Tochter schon für reif genug halten.

Wenn die Eltern zusammenziehen, werden sie sich möglicherweise entschließen, eine Sorgeerklärung abzugeben. Dann tragen sie gemeinsam die Verantwortung für ihr Kind. Wenn das Kind schon seit längerer Zeit bei Ihnen lebt, sind Sie vermutlich seine Hauptbezugsperson geworden. Es kann es aber sein, dass das Wohl des Kindes gefährdet ist, wenn es unvorbereitet in den Haushalt seiner Eltern umziehen muss. Wenn Sie diese Sorge haben, sollten Sie sich an das Jugendamt wenden, das dann gegebenenfalls eine Anordnung des Familiengerichts herbeiführen wird.

Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen beantwortet André Nogossek vom Landeselternausschuss Ihre Fragen.