Sprechstunde

Warum fiebert meine Tochter (3) immer so schnell?

Katrin T. aus Charlottenburg fragt: Meine dreijährige Tochter bekommt schon beim kleinsten Schnupfen Fieber. Manchmal steigt die Temperatur sogar ganz schön hoch, obwohl sie gar nicht so schlimm krank ist. Ist das normal, muss ich etwas dagegen tun?

Kinder bekommen deutlich schneller Fieber als Erwachsene. Dies liegt daran, dass die Regulierung der Körpertemperatur bei Kindern noch nicht ausgereift ist. So können selbst schon starker Durst oder eine zu warme Decke bei kleinen Kindern zu Fieber führen. In den meisten Fällen ist Fieber jedoch eine Abwehrreaktion, als Antwort auf eine Infektion mit zum Beispiel Bakterien oder, viel häufiger, Viren, und kann somit auch beim einfachsten Schnupfen auftreten. Von Fieber spricht man ab einer Körpertemperatur von 38 Grad, hohes Fieber beginnt bei Kindern ab 40 Grad, sehr hohes Fieber ab 41 Grad (am besten gemessen im Po).

Insbesondere bei hohem oder sehr hohem Fieber haben die Kinder im Fieberanstieg Schüttelfrost, da der Körper durch Muskelzittern und ein Zusammenziehen der Blutgefäße in der Haut versucht, die hohe Körpertemperatur herzustellen. Umgekehrt ist es beim Fieberabfall: da schwitzen die Kinder und strampeln sich frei. Meistens sind die Kinder quengelig und bedürfen besonderen Trostes und besonderer Zuneigung.

Durch die erhöhte Körpertemperatur kommt es zu einem erhöhten Flüssigkeits- und Salzverlust, so dass auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten ist. Will Ihr Kind einmal nicht essen, ist dies nicht schlimm.

Nach dem Fieberanstieg empfiehlt sich luftige Sommerkleidung, damit sich die Hitze nicht staut. Vorher, wenn Schüttelfrost besteht, ist es wichtig, das Kind warm zu halten.

Kinder haben ein gutes Gefühl bezüglich ihrer Aktivität, das heißt, Ihr Kind braucht mit Fieber nicht unbedingt im Bett zu liegen, wenn es das nicht möchte. Leidet Ihr Kind hingegen unter dem Fieber, ist schlapp und fühlt sich schlecht, können Sie fiebersenkende Maßnahmen ergreifen. Bei warmen Extremitäten kann man kühlende Wadenwickel versuchen oder aber auch direkt ein fiebersenkendes Medikament wie zum Beispiel Ibuprofen oder Paracetamol verabreichen. Beides gibt es als Zäpfchen und Saft. Bei kleineren Kindern ist es häufig einfacher, ein Zäpfchen zu geben, der Saft ist bei größeren Kindern exakter dosierbar.

Es gibt aber auch Situationen, in denen Eltern mit einem fiebernden Kind sofort einen Arzt aufsuchen sollten. Zum Beispiel, wenn Säuglinge unter sechs Monaten Fieber haben, bei Zeichen der Austrocknung, bei fehlenden Reaktionen Ihres Kindes oder Apathie, bei starken Kopfschmerzen, bei rotbläulichen Punkten auf der Haut, die nicht wegdrückbar sind, bei einer Atmungsbehinderung, bei schlechtem Aussehen oder wenn Ihr Kind einen Fieberkrampf erleidet. Aber auch, wenn das Kind über mehrere Tage Fieber hat, ohne dass Sie eine Ursache dafür finden, sollten Sie einen Kinderarzt/in aufsuchen.

Beatrix Schmidt, Chefärztin für Kinder- und Jugendmedizin