Ratgeber

Wie erkläre ich meiner Tochter, dass Opa sterben muss?

Meinem 89-jährigen Schwiegervater geht es seit einiger Zeit sehr schlecht. Er liegt im Krankenhaus und die Ärzte haben uns gesagt, dass er wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird. Unsere Tochter Franziska (11Jahre) alt, mag ihren Opa sehr gerne. Ich frage mich nun, wie und wann wir ihr sagen sollten, dass ihr Opa in absehbarer Zeit sterben wird. Claudia M. aus Lankwitz

Eltern können Kinder nicht vor Trauer, Traurigkeit und Tränen schützen, und sie sollten es auch gar nicht erst versuchen, denn Trauer, Weinen und der Verlust von nahestehenden Menschen gehören nun einmal genauso zum Leben wir Freude, Liebe, Lachen und Freundschaften.

Falls Ihr Schwiegervater schon länger krank sein oder im Krankenhaus liegen sollte, dann hat Franziska vermutlich schon längst realisiert, dass bei ihrem Opa Veränderungen stattgefunden haben. Und sie wird ebenso mitbekommen haben, dass sich die Atmosphäre in Ihrer Familie seit einiger Zeit verändert hat. Möglicherweise ist sie durch diese gespürten Veränderungen stark verunsichert, weil sie das Gefühl hat, dass etwas Unerklärtes vor sich geht und sie sich alleine nicht erklären kann, was das ist. Vielleicht grübelt sie auch darüber nach, ob sie schuld an dem jetzigen Zustand sein könnte. Ich möchte Ihnen deshalb Mut machen, möglichst bald mit Franziska über die Themen "Sterben", "Tod" und "Verlust eines geliebten Menschen" zu sprechen. Vielleicht kann sich Franziska dann besser erklären, warum die Stimmung in der Familie in letzter Zeit so bedrückt war. Für solche ernsten Gespräche ist es besonders wichtig, dass Sie und Ihr Mann dafür sorgen, dass sie in einer möglichst angenehmen Atmosphäre stattfinden und dass sie beide sich ausreichend Zeit dafür lassen. Sie sollten damit rechnen, dass Franziska viele Fragen haben wird und dass sie ihre Verunsicherung, ihre Ängste und dann auch ihre Traurigkeit auf ihre ganz eigene Art äußern wird. Wenn Sie auf einige der möglichen Fragen von Franziska ("Warum muss Opa sterben?", "Darf ich weinen, wenn wir Opa besuchen?", "Was passiert mit Opa, wenn er tot ist?") so schnell keine altersgerechte Antwort finden, dann können gute Bilder- und Sachbücher eine Hilfe sein.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE)

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