Sprechstunde

Hilft eine Umstellung der Ernährung meiner Tochter?

Beate F. aus Pankow fragt: Meine Tochter Anna (3) leidet an Rheuma. Kann ich durch eine Ernährungsumstellung die Erkrankung meiner Tochter verbessern? Oder wäre sie sogar vollkommen vermeidbar gewesen?

Leider gibt es in der wissenschaftlichen Fachliteratur nur wenig Informationen oder Studien zum Thema Ernährung bei Kindern mit chronischen Erkrankungen des Immunsystems wie etwa Rheuma. Die Krankheit kann bereits im Kleinkindalter ab etwa dem 2. Lebensjahr auftreten. Es gibt verschiedene Arten der Ausprägung. Die Unterformen des kindlichen Rheumas werden je nach Zahl der betroffenen Gelenke und auch nach Vorhandensein verschiedener Laborparameter eingeteilt. Es kann sogar der Fall sein, dass der sogenannte Rheumafaktor im Blut nachweisbar ist und das Kind eine Vielzahl von Gelenken entzündet aufweist. In dieser Situation hätte man dann ein sehr früh beginnendes Erwachsenenrheuma vor sich.

Welche Untergruppe des Rheumas nun vorliegt und welche Therapiestrategien angestrebt werden sollen, wird in der Regel der Kinderarzt zusammen mit einem Spezialisten auf diesem Gebiet erarbeiten. Im Rahmen solcher Gespräche wird sicherlich auch die Ernährung eine Rolle spielen. Gut fundiert ist die Empfehlung, dass Margarine entzündungsfördernde Stoffe enthält und dass diese eine rheumatische Erkrankung etwas verstärken können. Für den Brotaufstrich sollte daher Butter verwendet werden. Gut dokumentiert ist auch, dass Ananas gefäßaktive Substanzen enthält, welche entzündungsförderlich sein können. Die immer wieder geäußerte Vermutung, dass regelmäßiger, täglicher Fleischkonsum eine rheumatische Erkrankung verstärken kann, ist nur wenig belegt. Sie spielt im Kindesalter in der Regel auch keine Rolle, da Kinder meistens nicht täglich Fleisch zu sich nehmen, sondern dies oft genug meiden. In der Regel wird man darauf achten, eine ausgewogene Ernährung mit begrenztem Fleischkonsum und deutlichem Obstanteil zu empfehlen. Eine Ergänzung mit Vitaminpräparaten ist in der Regel nicht sinnvoll.

Im Einzelfall kann es sein, dass das Kind eine besondere Kombination aus das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten erhält. Bei manchen Kindern ist der Einsatz von Cortison als Therapie nicht zu vermeiden. Diese Kinder weisen in der Regel einen starken Appetit und Essantrieb auf. Hier ist es wichtig, darauf zu achten, dass Süßigkeiten begrenzt eingesetzt werden und dass das Essvolumen doch gewissermaßen begrenzt bleibt, um eine zu starke Gewichtszunahme möglichst zu vermeiden. Auch hier werden der Kinderarzt und der Rheumaspezialist beratend zur Seite stehen. Oft genug werden zusätzlich schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie z. B. Ibuprofen oder Indometacin auf Dauer eingesetzt. Hier wird in der Regel empfohlen, die Medikamente zu der jeweiligen Mahlzeit einzunehmen. Die Gabe auf den nüchternen Magen ist möglichst zu vermeiden. Zwar vertragen Kinder diese beiden Medikamente in der Regel besser als Erwachsene. Magenbeschwerden können jedoch ebenso auftreten. Daher ist auf eine möglichst reizarme, ausgewogene Kost zu achten, um hier eventuell Nebenwirkungen nicht zu verstärken.

Hermann Girschick Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin