Ratgeber

Warum ist mein kleiner Sohn immer so unruhig?

Mein kleiner Sohn Max (16 Monate) ist immerzu in Bewegung. Anfangs habe ich mich über seine Lebendigkeit gefreut, aber jetzt bringt mich seine Aktivität manchmal an den Rand. Auch nachts wacht er oft auf und will spielen. Ich muss aber anderntags arbeiten und habe auch keine weitere Hilfe außerhalb der Kita, seit der Vater von Max uns kurz nach der Geburt verlassen hat. Was soll ich da nur machen? Kerstin W. per Mail

Möglicherweise drückt Max Unruhe etwas aus, was sonst bei Ihnen zu kurz kommt. Sie berichten sehr abgeklärt und ergeben von Ihrem Schicksal. Ist der Vater wirklich "einfach weg"? Auffälliges Verhalten von Kindern, auch wenn sie so klein sind wie Max, weist oft auf unerledigte Konflikte hin. Es macht sie innerlich unruhig, wenn noch etwas zu klären ist. Kleine Kinder machen das natürlich nicht bewusst und selbst wenn sie sprechen könnten, würden sie sich natürlich nicht so ausdrücken wie wir Erwachsene das tun würden. Deshalb müssen wir stellvertretend als Eltern Vermutungen anstellen und uns dabei daran orientieren, was aus der Erfahrung häufig vorkommt. In der Eltern-Kind-Beratung findet man diese innere Unruhe bei Kindern häufig als einen Spiegel der Unruhe der Erwachsenen. Trennungen spielen dabei eine große Rolle. Meist wissen die Eltern selber nicht so genau, wie es nun weitergeht in der Betreuung und Begleitung des Kindes. Es ist doch verständlich, dass ein solcher Schwebezustand nicht gerade beruhigend ist... Für Max wäre also wichtig, die Rolle des Vaters zu klären. Weil Vorwürfe an den Vater in diesem Zusammenhang neue Unruhe erzeugen, sollte es darum gehen, den Vater zu diesem Klärungsprozess "einzuladen". Wegen der schwelenden Gefühlskonflikte ist dazu die Hilfe einer guten professionellen Beratung sehr wertvoll. Für Max ist es aber auch wichtig, unabhängig vom Ausgang dieses Prozesses weitere Bezugspersonen zu finden, die die Mutter entlasten und Max Gelegenheit bieten, sich nicht nur auf die Mutter zu konzentrieren, sondern auch Erfahrungen zu machen, die ihn tagsüber mehr auslasten und nachts sicher auch zu einem ruhigeren Schlaf führen werden.

Dr. Andreas Wiefel, ehemals Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie- Klinik der Charité, ist Kinder- und Jugendpsychiater mit eigener Praxis in Kreuzberg

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