Sprechstunde

Ist ein Magendarminfekt für mein Baby gefährlich?

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Saskia G. aus Lankwitz fragt: Mein Sohn Anton ist 9 Monate alt. Gestern wollte er nicht mehr so gerne seine Milch trinken. Er hat auch abends ein paar Mal leicht erbrochen. Nachts war ich schon ziemlich besorgt, weil er einmal ganz heftig erbrochen hat. Ich habe ihm dann eine Teeflasche gegeben, die er gut getrunken hat, so als hätte er starken Durst. Heute Morgen dachte ich schon es geht ihm besser, aber jetzt hatte er auch noch einen ganz dünnen Durchfall in der Windel. Muss ich mir große Sorgen machen?

Eine Magendarminfektion (Gastroenteritis) im Babyalter ist eine gefährliche Erkrankung, da haben Sie sehr recht. Weltweit sterben sehr, sehr viele Kinder an den Folgen einer Magendarminfektion. Die Infektion erfolgt in den meisten Fällen durch Viren - im Moment sind in Berlin sogenannte Rota-Viren und Noro-Viren stark verbreitet. Um diese Jahreszeit gibt es immer regelrechte Infektionswellen, die dann auch gleich sehr viele Kinder betreffen. Selten findet man Bakterien als Auslöser einer Magendarminfektion wie zum Beispiel die Salmonellen. Die Infektion selber ist gar nicht so gefährlich, sie heilt fast immer problemlos aus, ohne den Körper, insbesondere den Darm langfristig zu schädigen. Wir als betroffene Erwachsene sind bei solchen Infektionen zwei bis drei Tage krank und leiden unter akuten Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Fieber und Durchfall, aber wir sind fast nie lebensgefährlich erkrankt.

Das Problem der kleinen Kinder - und besonders der ganz jungen Babys - ist der Verlust an Flüssigkeit, der durch das Erbrechen und den Durchfall entsteht. Denn die kleinen Kinder haben im Verhältnis zu ihrem Körpervolumen einen viel schnelleren Umsatz an Körperwasser und wenn ein starker Flüssigkeitsverlust bei der Magendarminfektion auftritt, ohne dass genügend nachgetrunken werden kann, kommt es schnell zu einer sehr gefährlichen Austrocknung, wir Mediziner sprechen dann von einer Dehydratation. Das kann manchmal sehr schnell gehen; insbesondere wenn die Kinder erbrechen und gleichzeitig viele wässrige Durchfälle absetzen. Wenn beides zusammenkommt, kann ein Kind innerhalb weniger Stunden tatsächlich "verdursten".

Das Wichtigste bei einer solchen Magendarminfektion von kleinen Kindern ist der zeitliche Ablauf: Wenn zunächst nur ein Erbrechen ohne Durchfall auftritt und dann später der Durchfall folgt und das Kind bereits wieder trinken kann, ohne zu erbrechen, besteht die Gefahr des "Verdurstens" nicht. In Ihrem Fall scheint genau das der Fall zu sein. Ihr Anton hat zum Zeitpunkt des ersten Durchfalls bereits wieder angefangen zu trinken. Sie können jetzt erst einmal ein paar Stunden abwarten und wenn ihr Sohn weiter gut trinkt und nicht sehr häufige wässrige Durchfälle entwickelt, besteht in der jetzigen Situation für ihn keine Gefahr.

Heiko Krude ist Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin