Ratgeber

Was können Schulen gegen Schwänzer ausrichten?

In der Klasse meines Sohnes (neunte Klasse) gibt es ziemlich viele Kinder, die öfters den Unterricht schwänzen. Welche Maßnahmen darf eine Schule dagegen anwenden? Heike W. aus Spandau

Die allgemeine Schulpflicht dauert zehn Schulbesuchsjahre. Kommt ein Schüler seiner Schulbesuchspflicht nur unregelmäßig nach, sucht der Lehrer das erzieherische Gespräch mit dem Schüler, trifft gegebenenfalls Absprachen mit diesem und kann mündliche Tadel erteilen. Die Schule hat die Eltern zu informieren, die die Einhaltung der Schulpflicht verantworten. Bei anhaltendem Fehlverhalten kann die Schule unter Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit Ordnungsmaßnahmen verhängen, die von einem schriftlichen Verweis bis hin zur Überweisung in eine andere Schule desselben Bildungsgangs gehen können.

Bleiben alle pädagogischen Mittel erfolglos, bleibt der Schule als letzte Maßnahme die Schulversäumnisanzeige gegenüber der zuständigen Schulbehörde. Diese entscheidet, in der Regel im Benehmen mit dem Schulleiter, über die Zuführung zur Schule durch "unmittelbaren Zwang", das heißt eine Begleitung durch die Polizei. Die Bezirke können Bußgelder gegen die Eltern verhängen und diese gar bei Androhung von Erzwingungshaft einzutreiben versuchen.

Bevor jedoch diese Sanktionskette gestartet wird, muss versucht werden, die Ursachen des Verhaltens des Kindes herauszufinden, und hierbei zwischen Schulangst, Schulphobie und Schulschwänzen unterschieden werden. Ist das Kind vielleicht unterfordert, fühlt es sich ungerecht behandelt, oder wird es gemobbt? Die Schule sollte selbstkritisch hinterfragen, welche Bedingungen sie gegebenenfalls setzt, die zu einem schuldistanzierten Verhalten führen. In Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und Jugendhilfeeinrichtungen sollten Reintegrationsmaßnahmen individuell zugeschnitten und begleitet werden.

André Nogossek ist Mitglied im Landeselternausschuss Berlin

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