Ratgeber

Können wir unsere Nachkommen vom Erbe ausschließen?

Mein Lebensgefährte und ich besitzen gemeinsam ein Einfamilienhaus. Wir sind jeweils zur Hälfte Eigentümer dieses Hauses. Wir haben zwei Kinder, für die wir gemeinsames Sorgerecht haben. Da wir nicht verheiratet sind, würden doch im Ableben eines Eigentümers die Kinder jeweils den hälftigen Anteil erben, oder?

Kann man eine privatschriftliche Vereinbarung treffen, durch die im Erbfall der Eigentumsanteil auf den Hinterbliebenen (mich oder meinen Lebensgefährten) fällt und die Kinder ausgeschlossen sind? Gibt es hier überhaupt eine Möglichkeit als unverheiratetes Paar die Kinder auszuschließen? Carmen V., per E-Mail

Ob Eltern miteinander verheiratet sind, hat nach heutiger Rechtslage kaum noch einen Einfluss auf das Verhältnis zu ihren Kindern. Eines beschreiben Sie allerdings in Ihrer Frage ganz richtig: Wenn einer von Ihnen beiden stirbt, wird er von den beiden Kindern beerbt. Der überlebende Partner erbt dann nichts. Wenn Sie verheiratet wären, würden die Kinder und der überlebende Partner hingegen gemeinsam erben. Durch eine privatschriftliche Vereinbarung können Sie daran nichts ändern.

Vereinbarungen, die Ihr Haus betreffen, müssen immer notariell beurkundet werden, um wirksam zu sein. Sie brauchen eine solche Vereinbarung aber auch nicht, sondern Sie können ein Testament errichten. In dem Testament können Sie bestimmen, dass Ihr Partner alles erbt, wenn er Sie überlebt. Wenn er früher sterben sollte, erben nach Ihrem Tod Ihre Kinder ohnehin alles. Wenn Ihr Partner nach Ihnen stirbt, erben ebenfalls die Kinder alles. Sie müssen allerdings darauf achten, dass Ihr Partner ein entsprechendes Testament macht, in dem er Sie als seine Erbin einsetzt. Das wird wirksam, wenn Sie ihn überleben.

Jeder von Ihnen beiden muss sein eigenes Testament aufsetzen. Ein gemeinschaftliches Testament, wie es zwischen Eheleuten üblich ist, ist bei unverheirateten Partnern nicht möglich. Wenn Sie zusammen ein gemeinsames Testament machen, dann ist das unwirksam. Ein gemeinschaftliches Testament von Eheleuten kann nicht mehr geändert werden, wenn einer von ihnen gestorben ist. Dieselbe Wirkung können Sie als Unverheiratete nur erreichen, wenn Sie bei einem Notar einen Erbvertrag abschließen.

Durch das Testament können Sie natürlich nicht verhindern, dass eines Ihrer Kinder, wenn der Vater gestorben ist, seinen Pflichtteil verlangt. Sie können dann aber damit drohen, das Kind auch nach Ihrem Tod zu enterben. Das führt dann möglicherweise dazu, dass es doch auf den Pflichtteilanspruch verzichtet.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

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