Ratgeber

Wer erbt was in einer Patchworkfamilie?

Wie wird das Erbe verteilt, wenn kein Testament vorliegt und keine gemeinsamen Kinder existieren? Wir haben 2006 geheiratet und wohnen seit 2000 in einer Doppelhaushälfte. Im Grundbuch ist nur mein Mann eingetragen. Des Weiteren haben wir eine Eigentumswohnung, die nur mir gehört. Mein Mann hat zwei Kinder aus erster Ehe, und ich habe auch zwei Kinder. Würden im Falle meines Ablebens meine Kinder die Wohnung erben?

Monika H., per E-Mail

Sie und Ihr Mann haben vier Kinder, von denen aber keines gemeinschaftlich ist. Für eine solche Konstellation hat sich der Name Patchworkfamilie eingebürgert. Für eine Patchworkfamilie ist es fast immer sinnvoll, über ein Testament nachzudenken. Das gesetzliche Erbfolgesystem wird den etwas komplizierteren Familienverhältnissen nicht gerecht. In Ihrem Falle würden die beiden Kinder Ihre Wohnung nur dann erben, wenn Ihr Mann zuvor verstorben ist. Dann sind die Kinder Ihre einzigen gesetzlichen Erben. Wenn Ihr Mann Sie überlebt, dann erbt er gemeinsam mit Ihren Kindern, der Mann die Hälfte Ihres Nachlasses und jedes der Kinder ein Viertel. Das gilt für Ihren gesamten Nachlass, insbesondere also auch für die Eigentumswohnung. Wenn danach Ihr Mann stirbt, erben Ihre beiden Kinder gar nichts mehr, weil sie mit ihm nicht verwandt sind. Abhilfe kann nur ein Testament schaffen. Um sicherzugehen, dass Ihre Kinder die Wohnung erben, müssen Sie Ihre beiden Kinder durch Testament als Erben einsetzen und Ihren Mann enterben. Sie können auch mit Ihrem Mann gemeinschaftlich ein Testament errichten, in dem jeder von Ihnen seine eigenen Kinder als Erben einsetzt. Bei einer solchen Regelung wird der andere Ehegatte enterbt. Der Überlebende hat also einen Pflichtteilanspruch. Auf diesen Pflichtteilanspruch können Sie, wenn der Nachlass nur auf die jeweiligen Kinder übergehen soll, verzichten. Wenn Sie den Verzicht wollen, genügt allerdings kein privatschriftliches Testament. Der Verzicht auf Pflichtteilsrechte ist nur wirksam, wenn er in einer notariellen Urkunde enthalten ist.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de