Sprechstunde

Warum hat mein Sohn (3) im Moment so trockene Haut?

Nicola S. aus Schöneberg fragt: Mein Sohn (knapp drei Jahre) hat furchtbar trockene Haut. Vor allem an den Unterarmen, aber auch im Gesicht bilden sich runde, schuppige Stellen. Ist das jetzt schon Neurodermitis? Und wenn ja, mit welcher Creme kann ich seine Haut dann jetzt behandeln?

Ihre Beobachtung ist vielen Eltern und Familien gut bekannt. Aber ich kann Sie beruhigen. In Ihrem Fall handelt es sich vermutlich nicht um eine Neurodermitis, sondern um eine vorübergehende Trockenheit und Empfindlichkeit der Haut.

Zum einen sind wir jetzt im Winter in den Wohnungen der trockenen Heizungsluft ausgesetzt, die die Haut strapaziert und ihr Feuchtigkeit entzieht. Und auch draußen kann die Haut sich nicht erholen. Denn in der Kälte ist davon auszugehen, dass die Hautdurchblutung etwas reduziert ist. Und damit ist dann auch die Schweiß- und Talgdrüsenproduktion reduziert und der natürliche Schutzmantel der Haut sit einfach ein bischen weniger robust als in den warmen Monaten des Jahres.

Ein weiterer wichtiger Faktor, der der Haut zu schaffen macht, ist der Einsatz von zum Beispiel Seife beim Hände. Denn der führt zusätzlich zu einer Reduktion der fetthaltigen Schutzschicht der Haut, so dass sich im Verlauf feine Risse und auch sog. Erosionen (Aufrauhung) entstehen. Besteht dann zusätzlich noch eine Neigung zu Neurodermitis oder Schuppenflechte, dann kann sich dies gegenseitig verstärken und ein deutlicher Hautausschlag entstehen. Die Empfehlungen sind hier regelmäßige Verwendung fetthaltiger Salben. Diese sollten möglichst keine Parfümbestandteile aufweisen. Cremes auf Wasserbasis sollten tendenziell vermieden werden, da diese zu einer zusätzlichen Austrocknung der Haut führen können.

Auch wenn häufiges Händewaschen die Haut austrocknet, ist es gerdae in der Zeit häufiger Infektionen besonders wichtig. Allerdings sollte man auch schon bei Kindern darauf achten, dass der Haut nach dem Händewaschen die Chance einer Rückfettung gegeben wird. Sehr wirkungsvoll - allerdings vor allem bei Kindern und Jugendlichen ziemlich unbeliebt -sind auch wärmende Maßnahmen wie zum Beispiel Handschuhe und entsprechend wetterfestes Schuhwerk. Denn beidews verhindert, dass die Hautdurchblutzung noch weiter reduziert wird.

Unter diesen entsprechenden Maßnahmen wird es in der Regel möglich sein, eine allzu trockene Haut und entsprechende entzündliche Veränderungen zu vermeiden. Sollten die Stellen Im Einzelfall wird der hinzugezogene Kinder- oder Hautarzt stärker entzündungshemmende Salben einsetzen. Das ist allerdings nur nötig, wenn ein sogenanntes Ekzem, also eine Neurodermitis, hinzugekommen sein sollte. Die Ursache für Neurodermitis ist letztendlich noch unbekannt, man muss davon ausgehen, dass immunologische Entzündungsvorgänge der Haut unkontrolliert ablaufen. Doch "die einfache trockene Haut" in der Winterzeit ist davon ganz klar zu trennen. Im Einzelfall kann ein ekzematöser Ausschlag auch Zeichen einer schweren Erkrankung des gesamten Körpers sein, etwa des Immunsystems. Doch das sind sehr seltene Ereignisse.

Hermann Girschick, Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin