Ratgeber

Soll meine Bekannte nur ein Kind erben lassen?

Eine Bekannte ist schwer erkrankt. Ihre Lebenserwartung beträgt nur noch wenige Tage. Sie ist geschieden und hat zwei Kinder, von denen eines von Hartz IV lebt. Sie besitzt ein kleines Haus in Erbpacht, dessen Wert rund 20 000 Euro beträgt. Sonst verfügt sie über kein Vermögen. Ich frage nun, ob ich meiner Bekannten zu einem Testament zugunsten nur des einen Kindes raten soll oder ob sie die gesetzliche Erbfolge eintreten lassen sollte. Kann ein Hartz-IV-Empfänger ein Erbe ausschlagen? U. F., per E-Mail

In dem Fall Ihrer Bekannten besteht vermutlich kein Anlass darüber nachzudenken, das Kind mit Hartz IV von der Erbfolge auszuschließen. Die Kinder müssen aus dem Nachlass ihrer Mutter zunächst das Begräbnis bezahlen und alle Kosten, die mit der Auflösung ihres Haushaltes zusammenhängen. Wenn der verbleibende Rest nach dem Verkauf des Hauses auf die beiden Kinder verteilt wird, wird der einzelne Betrag vermutlich nicht so hoch sein, dass er das Schonvermögen übersteigt, welches ein Hartz-IV-Empfänger behalten darf.

Wenn Ihre Bekannte verhindern möchte, dass ihr Erbe dem Staat zufällt, dann ist es sicher sinnvoll, dass sie ein Testament macht und nur eines der beiden Kinder bedenkt. Damit ist völlig sichergestellt, dass die Gläubiger des anderen Kindes nicht auf die Erbschaft zugreifen können. Das gilt auch für die Arbeitsagentur. Das enterbte Kind kann natürlich Pflichtteilansprüche geltend machen. Die Entscheidung darüber, ob der Pflichtteil verlangt werden soll, steht diesem Kind ganz alleine zu. Die Entscheidung darüber ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eine höchstpersönliche. Niemand kann einen Vorwurf daraus herleiten, wenn der Pflichtteil nicht verlangt wird.

Aber auch wenn Ihre Bekannte kein Testament macht, wird das voraussichtlich auch keinen Einfluss auf den Hartz-IV-Anspruch haben. Das betroffene Kind kann die Erbschaft ausschlagen. Auch in der Entscheidung ist jedermann ganz frei, denn die Ausschlagung einer Erbschaft ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung. Auch wer Hartz-IV-Empfänger ist, ist nicht verpflichtet, eine ihm zufallende Erbschaft anzunehmen.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht