Ratgeber

Wie finden wir den richtigen Therapeuten für unsere Tochter?

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Der Kinderarzt hat für unsere zehn Jahre alte Tochter Melanie wegen verschiedener, sehr ausgeprägter Ängste zu einer Therapie geraten. Ich habe erfahren, dass es unterschiedliche Therapieformen gibt, und bin jetzt sehr verunsichert. Carina S., per E-Mail

Das ist auch gut verständlich, weil die entsprechenden Empfehlungen nicht immer eindeutig zu geben sind. Zum einen hängt die Wahl der Therapieform vom Krankheitsbild ab, aber zum anderen spielen auch Persönlichkeitsmerkmale des Kindes und familiäre Faktoren eine Rolle.

Wir unterscheiden grob in "tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie" und "Verhaltenstherapie". Die erste Form beschäftigt sich neben der Behandlung der Symptome auch mit den zugrunde liegenden Konflikten des Kindes und seiner Familie sowie den lebensgeschichtlichen Erfahrungen. In der Verhaltenstherapie liegt der Schwerpunkt auf dem Erkennen bestimmter wiederkehrender Reaktionsmuster auf einen Reiz, zum Beispiel wenn das Kind einen Hund sieht und darauf mit übermäßiger, krankhafter Angst reagiert. Es wird dann daran gearbeitet, die Gefühle und Gedanken in solch einer Situation besser zu bewältigen und zu verändern.

Selbstverständlich wird auch in der Verhaltenstherapie nach den Ursachen für die Verhaltensmuster gefragt. Bei den tiefenpsychologischen Verfahren geht es aber noch mehr um die grundsätzliche Bearbeitung persönlicher Schwierigkeiten, die manchmal auch zu wechselnden Symptomen führen. Es wäre deshalb zu kurz gegriffen, beispielsweise nur eine Hundeangst zu behandeln. Ein Problem ist dabei der Nachweis der Wirksamkeit. Für die Verhaltenstherapie gibt es viel mehr wissenschaftliche Studien, die beweisen, dass bestimmte Symptome in einem überschaubaren Zeitraum vermindert werden können. Allerdings ist weniger über die Langzeitwirkung bekannt. Weil in der Tiefenpsychologie aber gerade da der Schwerpunkt liegt, ist der wissenschaftliche Beweis für den Behandlungserfolg hier viel schwieriger.

Obwohl es bei manchen Krankheitsbildern eindeutige Empfehlungen für die eine oder andere Therapieform gibt, können Sie mit Melanie Probegespräche bei Therapeuten beider Ausrichtungen vereinbaren. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin ( www.kvberlin.de ) gibt es im Internet eine Suchhilfe, die auch auf die beiden unterschiedlichen Behandlungsarten hinweist.

Dr. Andreas Wiefel, ehemals Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrie-Klinik der Charité, ist Kinder- und Jugendpsychiater mit eigener Praxis in Kreuzberg

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