Sprechstunde

Warum hat mein Sohn (3) nachts Schmerzen?

Stephan H. aus Kreuzberg fragt: Seit etwa drei Monaten klagt mein Sohn (3) nachts immer wieder über Schmerzen im Bereich der Wade. Er wacht dabei auf und weint bitterlich. Ich versuche dann, durch Einreiben einer Salbe oder das Auflegen eines Wärmekissens die Beschwerden zu lindern, was mir in der Regel auch gelingt. Einmalig hat er auch ein Ibuprofen-Zäpfchen einnehmen müssen. Ist dies eine gefährliche Erkrankung?

Sie beschreiben sogenannte nächtliche Arthralgien, welche im Volksmund auch Wachstumsschmerzen genannt werden. Von entscheidender klinischer Einschätzung ist, dass diese Schmerzen in der Regel nur nachts und in der Zeit kurz vor dem Aufwachen beschrieben werden. In der Regel lokalisieren sich diese Schmerzen in der Kniekehle, im Oberschenkel- und Unterschenkelbereich.

Äußerlich ist in der Regel weder eine Schwellung, Rötung noch eine Überwärmung zu sehen. Die Kinder klagen jedoch über ausgeprägte Schmerzen. Sie haben Maßnahmen ergriffen, welche bekanntermaßen helfen. Die Massage, das Einreiben von einfachen Salben, das Auflegen von Wärmekissen oder auch ein Verband sind in der Regel hilfreich, die Beschwerden zu begrenzen.

Im Einzelfall und insbesondere bei gehäuftem Auftreten in der Nacht, des Weiteren auch innerhalb einer Woche ist die Gabe eines entzündungshemmenden Medikamentes, zum Beispiel das von Ihnen erwähnte Ibuprofen in kindgerechter Form (Saft, Zäpfchen oder auch Tablette) sinnvoll und auch sehr gut verträglich.

In aller Regel ist keine spezielle Grunderkrankung dabei vorliegend. Im Einzelfall kann eine gewisse Bindegewebsschwäche mit Überdehnbarkeit von Gelenken bestehen, welche nach einem aktiven Tag, zum Beispiel nach einem Sportfest, sich nachts dann als Schmerzen am Bewegungsapparat äußert. Bei sehr vielen betroffenen Kindern ist jedoch am Bewegungsapparat keine Auffälligkeit zu finden. Bei reinen nächtlichen Arthralgien wird der Kinderarzt sich auf eine einfache körperliche Untersuchung beschränken können.

Die meisten Familien können beruhigt werden. Es wird für sie im Alltag darum gehen, die oben genannten Maßnahmen optimal einzusetzen und die Familie in dieser Situation zu begleiten. Natürlich sollte hier unbedingt eine ärztlich-kinderärztliche Betreuung zu Rate gezogen werden.

Sollte jedoch der Kinderarzt aufgrund der Geschichte den Eindruck gewinnen, dass die Beschwerdesituation über nächtliche Arthralgien hinausgeht, dann wird zum einen eine Blutuntersuchung, zum anderen aber auch bildgebende Untersuchungen, zum Beispiel ein Ultraschall des Gelenkes, durchzuführen sein.

Hier käme auch eine Betreuung in einer Facheinrichtung für Kinder- und Jugendrheumatologie/Osteologie zusätzlich in Kooperation mit dem Kinderarzt in Frage.

Sollte die schmerzhafte Region geschwollen, gerötet oder überwärmt sein, dann sollte die Familie allerdings keine Zeit verlieren und sich sofort beim Kinderarzt melden. In einer solchen Konstellation ist in der Regel an schwerwiegendere Erkrankungen, wie eine Infektionserkrankung, eine rheumatische Erkrankung oder auch onkologische Erkrankungen am Bewegungsapparat zu denken.

Hermann Girschick Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin