Sprechstunde

Welche Ernährung ist am besten für mein Baby?

Corinna M. aus Lichtenrade fragt: Bisher habe ich meine Tochter (3 Monate) nur gestillt. Wäre eine HA-Milch vielleicht besser zum Schutz vor Allergien, und wann soll sie ihren ersten Brei bekommen?

Im Moment tun Sie eindeutig das Beste für Ihre Tochter: Alle Experten empfehlen für gesunde Säuglinge in den ersten vier Lebensmonaten das Stillen. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist optimal an die kindlichen Bedürfnisse angepasst und liefert dem Baby die für Wachstum und gesunde Entwicklung wichtigen Nährstoffe. Stillen kann das Risiko für Durchfall, Mittelohrentzündung und späteres Übergewicht senken. Gleichzeitig wirkt es sich positiv auf Ihre eigene Gesundheit aus und stärkt die Gefühlsbindung zwischen Mutter und Kind. Außerdem ist Muttermilch immer hygienisch einwandfrei und richtig temperiert, praktisch und kostengünstig...

Auch zur Vorbeugung gegen Allergien gibt es keine bessere Anfangsnahrung als Muttermilch: Gestillte Kinder entwickeln seltener Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma als Babys, die mit einer industriellen Säuglingsmilch gefüttert wurden. Trotzdem ist es manchmal nötig, auf einen Ersatz zurückzugreifen. In Langzeitstudien haben Risiko-Kinder mit einem allergischen Elternteil oder Geschwisterkind etwas seltener Ekzeme entwickelt, wenn sie mit einer HA-Milch im Vergleich zu einer Säuglingsnahrung auf Kuhmilch-Basis gefüttert wurden. HA steht für "hypoallergen" und bezeichnet industrielle Säuglingsnahrungen, deren Eiweißbestandteile speziell vorbehandelt wurden. Wenn also Kinder mit einer Allergiebelastung im engen Familienkreis nicht gestillt werden können, ist nach dem aktuellen Expertenrat eine HA-Trinknahrung in den ersten vier bis sechs Monaten empfehlenswert - aber nur für diese Risikogruppe.

Nun zum ersten Brei: Den sollte Ihre Tochter zwischen dem Beginn des 5. und dem Ende des 6. Lebensmonats bekommen. Er sollte Gemüse (zunächst Möhre, dann wechselnd) und Kartoffeln sowie fünfmal pro Woche zusätzlich Fleisch enthalten. Damit wird eine ausreichende Eisenversorgung sichergestellt, gelegentlich kann der Fleischanteil durch fettreichen Fisch ersetzt werden.

In dieser Empfehlung ist sich das unabhängige Dortmunder "Forschungsinstitut für Kinderernährung" einig mit deutschen und europäischen Fachgesellschaften. Und sie gilt genauso auch für allergie-gefährdete Kinder, bei denen wir früher zum ausschließlichen Stillen über sechs Monate geraten haben. In neueren Studien zeigte dies aber keinen Vorteil, die frühe Einführung von Beikost einschließlich häufig Allergie-auslösender Lebensmittel wie Fisch führte sogar zu einer niedrigeren Allergierate. Ebenso ist die regelmäßige Zufuhr kleiner Mengen glutenhaltigen Getreides parallel zum Stillen mit einem um 50 Prozent gesenkten Zöliakie-Risiko (Gluten-Unverträglichkeit-Risiko) verbunden. Im jungen Säuglingsalter scheint es also besonders günstige Phasen für die Entwicklung von Verträglichkeit statt Allergie zu geben. Deswegen ist gerade für Risikokinder keine vorbeugende Diät mehr zu empfehlen, sondern frühe Beikost-Einführung, zum Beispiel nach den Empfehlungen des Forschungsinstituts ( www.fke-do.de ). Auch Ihr Kinderarzt oder Ihre Hebamme kann Sie beraten. Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall ganz viel Freude und Gesundheit mit Ihrem Kind!

Michael Barker Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin