Ratgeber

Haben meine Kinder kein Anrecht aufs Erbe meines Ex-Mannes?

Ich bin seit vielen Jahren geschieden. Mein früherer Mann ist vor Kurzem gestorben. Er war wieder verheiratet, seine Frau war viel jünger als er. Die Frau hat ein Testament vorgelegt, das sie zur Vorerbin macht. Sie sagt, unsere Kinder bekämen nichts, weil sie Nacherben sind und erst nach ihrem eigenen Tod etwas bekämen. Haben meine Kinder wirklich keine Rechte? Monika B., Wilmersdorf

Ihre Kinder haben natürlich einen nicht entziehbaren Pflichtteilanspruch. Bevor sie den aber geltend machen können, müssen Sie eine schwierige Entscheidung treffen: Ob die Nacherbschaft jetzt schon ausgeschlagen werden soll oder nicht.

In einem Testament kann bestimmt werden, dass der Nachlass nacheinander verschiedenen Personen zufällt. Es kann angeordnet werden, dass zunächst ein Vorerbe den gesamten Nachlass erhält und dass der Nachlass bei Eintritt einer bestimmten Bedingung einem anderen, dem Nacherben, zufällt. Diese Bedingung kann der Tod des Vorerben sein, möglicherweise aber auch seine Wiederverheiratung. Erst mit Eintritt dieser Bedingung, die man den Nacherbfall nennt, erlangen die als Nacherben eingesetzten Personen das volle Erbenrecht. Bis dahin hat die Vorerbin, also die Witwe Ihres früheren Mannes, alle Rechte alleine. In welchem Umfang sie auf die Interessen der späteren Erben Rücksicht nehmen muss, also in ihrer Handlungsfreiheit beschränkt ist, hängt von den Anordnungen im Testament ab. Weil Ihre Kinder als Nacherben eingesetzt sind, sind sie nicht enterbt. Ihnen steht deshalb jetzt kein Pflichtteilanspruch zu. Sonst würden sie zunächst ihren Pflichtteil bekommen und beim Tod der Witwe außerdem noch einmal erben. Wenn Ihre Kinder trotzdem den Pflichtteil haben möchten, dann müssen Sie die Nacherbschaft ausschlagen.

Die Ausschlagung ist auch jetzt schon möglich, lange bevor der Nacherbfall eingetreten ist. Allerdings ist es keine leichte Entscheidung. Möglicherweise ist die Witwe Ihres früheren Mannes nicht viel älter als Ihre Kinder. Dann steht es in den Sternen, ob Ihre Kinder den Nacherbfall jemals erleben werden. Andererseits ist der Pflichtteil viel geringer als das, was Ihren Kindern beim Nacherbfall zustehen würde, wahrscheinlich insgesamt nur ein Viertel davon.

Große Eilbedürftigkeit besteht allerdings nicht. Für die Ausschlagung gibt es keine Frist, solange der Nacherbfall noch nicht eingetreten ist. Der Pflichtteilanspruch verjährt erst drei Jahre nach dem Tod des Vaters.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Wenn Sie auch eine Frage haben, schreiben Sie an familie@morgenpost.de