Ratgeber

Welche Erbfolge tritt ein, wenn kein Testament vorliegt?

Ich habe eine Reihe von Fragen zum Erbrecht: Welche Erbfolge müsste ich bei meinem Testament beachten? Welche Erbfolge tritt ein, wenn kein Testament vorliegt? Kann man einen gesetzlichen Erbanspruch ausschließen? Was gibt es zu beachten, wenn das Geld gespendet werden soll? Zu meiner Person: Ich bin ledig ohne Kinder. Ich habe zwei Geschwister, die auch Kinder haben. Weitere direkte Familienangehörige gibt es nicht. Regine M., Mitte

In Deutschland gibt es die Testierfreiheit. Jeder Mensch hat das Recht, nach Belieben seine Erben zu bestimmen. Diese Freiheit ist sogar durch das Grundgesetz geschützt. Sie können also ein Testament errichten und sind völlig frei in der Entscheidung, wen Sie dadurch begünstigen wollen. Sie können Ihre Nichten und Neffen einsetzen, müssen das aber nicht. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sie können, wenn Sie das wollen, auch "ungerecht" sein und etwa Ihren Lieblingsneffen bevorzugen. Sie können Ihren Nachlass nach Bruchteilen auf verschiedene Personen verteilen, oder Sie können einzelne Gegenstände als Vermächtnis bestimmten Empfängern zuordnen. Wichtig ist in jedem Fall nur, dass Sie ein wirksames Testament errichten. Das muss von Ihnen selbst vollständig mit der Hand geschrieben und unterschrieben oder von einem Notar errichtet worden sein.

Ihr Testament hat immer den Vorrang vor der gesetzlichen Erbfolge. Diese gilt nur dann, wenn Sie ohne Testament gestorben sind. Nach dem Gesetz erben Ihre Verwandten. Die näheren Verwandten schließen die entfernteren aus. Ihre nächsten Verwandten sind Ihre Geschwister. Ohne ein Testament würden diese also zu gleichen Teilen erben. Deren Kinder und Enkel gehen leer aus, wenn ihre Eltern oder Großeltern noch leben. Die Frau Ihres Bruders hat gar kein Erbrecht.

Die Testierfreiheit ist in gewisser Weise nur durch das Pflichtteilrecht eingeschränkt. Besonders nahe Angehörige müssen im Erbfall berücksichtigt werden. Das sind aber nur Kinder und Ehegatten. Geschwister oder noch weiter entfernte Verwandte haben kein Pflichtteilrecht. In Ihrem Fall gibt es niemanden, den Sie bedenken müssen. Da Sie kinderlos und ledig sind, brauchen Sie ein Pflichtteilrecht nicht zu beachten.

Wenn Sie etwas spenden wollen, hat das mit dem Erbfall eigentlich nichts zu tun. Eine Spende ist ein gemeinnütziges Geschenk. Das können Sie nur zu Lebzeiten machen. Möglicherweise schwebt Ihnen aber vor, mit Ihrem Testament eine Spende zu machen. Das können Sie tun, indem Sie in dem Testament eine gemeinnützige Organisation bedenken. Dies geschieht genauso wie jede andere Erbeinsetzung. Sie müssen die Organisation im Testament nur als Erben bezeichnen oder ihr einen bestimmten Betrag als Vermächtnis aussetzen. Ein gemeinnütziger Verein oder eine Stiftung muss dann keine Erbschaftsteuer zahlen auf das, was sie von Ihnen erbt.

Dr. Max Braeuer ist Rechtsanwalt und Notar bei Raue LLP und Lehrbeauftragter für Familienrecht

Morgen antwortet an dieser Stelle André Nogossek vom Landeselternausschuss. Wenn Sie auch eine Frage an einen unserer Experten haben, dann schreiben Sie an familie@morgenpost.de