Ratgeber

Wie kann ich meine Tochter (6) zum Aufräumen bringen?

| Lesedauer: 2 Minuten

Meine Tochter Cordula (6) ist sehr unordentlich. Sie wirft ihre Klamotten einfach in die Ecke, und wenn sie einen Stift braucht, wird gleich die ganze Dose ausgekippt. Ich habe schon Verschiedenes ausprobiert - vom gemeinsamen Aufräumen bis hin zur Drohung, dass ich alles, was rumliegt, wegwerfe -, doch nichts war nachhaltig. Haben Sie einen Rat für mich? Beate C., per E-Mail

Fast alle Kinder sind - zumindest phasenweise - sehr viel unordentlicher, als ihre Eltern es für angebracht halten. Die kindliche Kreativität zieht automatisch ein gewisses Maß an Unordnung nach sich. Damit die Kinder ihren Ideen mit Ausdauer und Konzentration nachgehen können, sollten sie in intensiven Spielphasen möglichst nicht durch frühzeitige Hinweise auf das Aufräumen gestört werden.

Ein paar erfolgversprechende Ratschläge zum leidigen Thema "Aufräumen", die sich häufig bewährt haben:

Wenn Cordula längere Zeit im Kinderzimmer spielt, sollte sie zwischendurch zwei oder drei kleine Aufräumpausen einlegen - das klappt meistens besser als eine große Aktion am Abend. Schaffen Sie Anreize: "Wenn Du die Legosteine oder alle Stifte wieder in die Kisten eingeräumt hast, haben wir Platz zum gemeinsamen Basteln!" Wenn Cordula realisiert, dass das Aufräumen positive Auswirkungen hat, fällt ihr die lästige Tätigkeit bestimmt leichter.

Bevor sich Cordula zum Erledigen der Hausaufgaben an den Schreibtisch setzt, muss dieser selbstverständlich aufgeräumt werden. Da Kinder nicht so zielstrebig und konzentriert aufräumen wie Erwachsene, kann es passieren, dass sie sich beim Aufräumen zu neuen Spielen anregen lassen. Haben Sie in einem solchen Fall Geduld und lassen Sie Cordula erst zu Ende spielen, bevor Sie sie zum Weitermachen auffordern. Cordula benötigt etwas Zeit, um ein Spiel, in das sie vertieft ist, zu beenden. Ein Zeitpolster ist also sehr hilfreich. So können Sie z.B. frühzeitig das Essen ankündigen und nach einer kurzen Zeit noch mal daran erinnern. Mindestens 15 Minuten sollte man dem Kind zum Beenden seines Spiels einräumen. Auf diese Weise zeigen Sie Cordula Verständnis für ihr intensives Spiel und helfen ihr, das Spielen und das Aufräumen zeitlich zu koordinieren.

Bei den Fragen rund um die Ordnung im Kinderzimmer spielt immer auch ein anderes Thema eine wichtige Rolle: Je älter die Kinder werden, desto mehr streben sie nach Eigenständigkeit. Sie möchten immer stärker über die Gestaltung ihr eigenen Reichs bestimmen können. Das ist dann die Zeit möglichst guter Kompromisse.

Dr. Heidemarie Arnhold ist Pädagogin und Vorsitzende des Arbeitskreises neue Erziehung (Ane)

Morgen berät Sie Dr. Max Braeuer in Rechtsfragen. Schreiben Sie Ihre Frage an: familie@morgenpost.de