Fernbeziehung

Nomaden aus Liebe

Er lebt in Berlin, sie in Paris: Fernbeziehungen sind ein Symptom unserer Zeit. Wie funktioniert Liebe auf Distanz? Drei Paare erzählen

Ein Paar, zwei Domizile: Der Schlüssel mit Ampelmännchen öffnet Laurents Wohnung in Berlin. Der Anhänger mit dem Eiffelturm kennzeichnet den Schlüssel zu Laures Apartment in Paris

Ein Paar, zwei Domizile: Der Schlüssel mit Ampelmännchen öffnet Laurents Wohnung in Berlin. Der Anhänger mit dem Eiffelturm kennzeichnet den Schlüssel zu Laures Apartment in Paris

Foto: David Heerde

„Die Liebe krepiert an der Geographie“: Das schrieb Erich Kästner im Jahr 1936 in seinem Roman „Fabian“ über ein Paar, das nicht in derselben Stadt lebte. Hat er recht mit dieser Aussage? Wie viel Ferne verträgt die Liebe? Hier kommen drei Paare zu Wort, die eine Beziehung über Landesgrenzen hinweg führen. Ein Modell mit Vor- und Nachteilen. Jedes Paar hat sein eigenes Rezept für Nähe und Distanz gefunden.

Historisch betrachtet ist das Phänomen nicht neu. Der europäische Adel und das reiche Bürgertum praktizierten bereits vor Jahrhunderten Formen der Fernliebe. Seitdem haben sich die Möglichkeiten, seinen Partner zu wählen und an fernen Orten zu treffen, enorm erweitert. Flugzeuge transportieren die Liebenden, wenn es denn sein muss, bis ans Ende der Welt. Dazu kommt ein neuer Begegnungsraum, der bei der Partnerwahl immer wichtiger wird: das Internet.

Studien zeigen, dass bei den 30- bis 50-Jährigen ein Drittel aller Kontaktaufnahmen, die zu einer Partnerschaft führen, über das Internet erfolgen. Tendenz steigend. Auch eines der von uns interviewten Paare – Laurent und Laure, die zwischen Berlin und Paris pendeln – hätte sich ohne das Internet wahrscheinlich nie kennengelernt.

Langfristige Planung ist wichtig

Doch wie sieht das Rezept für eine funktionierende Fernliebe aus? Was braucht es, um die Partnerschaft lebendig zu halten? Dieser Frage gehen die Soziologen Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim in ihrem Buch „Fernliebe – Lebensformen im globalen Zeitalter“ nach. Für die Autoren ist „Intimität auf Distanz“ angewiesen auf langfristige Planung und feste Vereinbarungen.

Das Beziehungskonstrukt spiegelt für Beck und Beck-Gernsheim auch die gesellschaftlichen Verhältnisse wider. Wer, um flexibel zu sein, nicht nur auf Kinder, sondern auch auf die Nahliebe verzichte, könne „unbehindert“ die globalen Arbeitsmarktchancen ergreifen, wo und wann immer sie sich bieten. Wenn ein Arbeitsleben aus fünf Berufswechseln bestehe, dann seien das bei einem berufstätigen Paar zehn tiefgreifende Wechsel. „Welche Ehe, welche Familie hält das aus?“, fragen sich die Autoren. Für sie sind der globale Kapitalismus und Fernliebe „zwei Seiten desselben“.

Zermürbender Alltagsstress entfällt

Für den Soziologen Jean-Claude Kaufmann ist ein Paar ein Paar, wenn zwei Personen eine Waschmaschine kaufen. Damit begännen die wirklich wichtigen Fragen und Streitigkeiten, konstatiert er. Fernliebe verzichtet zwar auf solche Stresstests, ihre Alltagsenthobenheit birgt dafür andere Gefahren. Zum Beispiel die Verklärung des anderen oder dass dem Partner nicht das Selbst, sondern eine korrigierte Version der eigenen Person vorgeführt wird. Fehle die Erdung, habe die Fantasie leichtes Spiel, so Kaufmann. Fernliebende seien „Liebesnomaden“, die in ihrem Laptop immer beides bei sich haben: ihr mobiles Büro und ihre virtuelle Liebe.

Und wie sieht es mit der Treue in Fernbeziehungen aus? Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Paare, die mehr als 500 Kilometer auseinander leben und/oder deren Geburtsorte verschiedenen Nationalstaaten zuzurechnen sind, einen 170,7 Mal höheren „Fremdgeh-Koeffizienten“ haben als Nahliebe-Paare. Die Berliner Psychologin Berit Brockhausen sieht das nicht ganz so negativ. „Gehen Paare in Fernbeziehungen fremd, passiert das aus den gleichen Gründen wie in Nahbeziehungen“, hat sie beobachtet. Wenn sich einer in jemand anderen verliebe, weil er sich allein gelassen und einsam fühle, sei das nicht zwangsläufige eine Frage der Entfernung, sondern der Beziehung selbst. Wer sich nur sicher fühle, wenn er den anderen kontrollieren könne, wiege sich in einer Scheinsicherheit (siehe Interview auf Seite 3).

Doch fragen wir am besten die Paare selbst nach den Vorteilen und Risiken ihres Lebensmodells. Etwa Laurent und Laure, die sich 2005 im nordfranzösischen Lille über ein Online- Portal kennengelernt haben.

Laure und Laurent: Bloß nicht zu viele Zwänge

Laurent und Laure wirken harmonisch. Ein schönes Paar. Niemand würde denken, dass sie in zwei Ländern leben. Die beiden haben sich zwar in Frankreich kennengelernt. Aber Laurent hat seinen Lebensmittelpunkt heute in Deutschland, Laure lebt in Paris.

Schon am Anfang der Beziehung hatte Laurent seiner Partnerin erzählt, dass er Lust hätte, nach Berlin zu gehen. Laure, die damals als Deutschlehrerin am Gymnasium arbeitete, gefiel die Idee. 2009 wagten die beiden das Abenteuer und zogen von Frankreich nach Berlin, lebten für ein Jahr in Charlottenburg. Gerne erzählen sie von der gemeinsamen Zeit. Während Freiberufler Laurent arbeitete, hatte sich seine Frau beurlauben lassen. Für sie stand ohnehin ein beruflicher Wechsel an. Laure hatte sich für einen Posten in einer Finanzbehörde beworben.

Sie nutzte die Zeit in Berlin, um sich auf das Aufnahmeverfahren vorzubereiten. Die Prüfungen schloss sie mit Auszeichnung ab – als beste Absolventin Frankreichs. Laure bekam zunächst einen Posten in Nantes angeboten, dann in Bordeaux. Laurent ging mit, doch er vermisste Berlin. Nach einigen Jahren und vielen Diskussionen verlegte er seinen Lebensmittelpunkt an die Spree.

Sie sehen sich so oft wie möglich

Seit Laure nach Paris versetzt worden ist, ist das Pendeln einfacher geworden. Inzwischen gestaltet sich das Zusammenleben der Eheleute folgendermaßen: Der Informatiker und Soziologe lebt mindestens sechs Monate im Jahr in Berlin. Seine Studien kann Laurent unabhängig vom Wohnort auswerten. Das Paar besucht sich so oft wie möglich. Es gilt die Abmachung, dass sie nicht mehr als zwei Wochenenden ohne einander verbringen. Oft machen die beiden auch Kurzurlaube, zu denen sie getrennt anreisen.

Beide sind kulturell interessiert. In Paris gehen sie gerne ins Theater, in Berlin in die Oper, Ausstellungen oder Jazzclubs. Oder sie wandern im Berliner Umland und unternehmen Bootstouren. Paris und Berlin: Das sind für sie zwei unterschiedliche Welten. „Wenn man so lebt wie wir, gibt es viel weniger Zwänge, als wenn man permanent zusammenwohnt“, findet Laurent. Wenn die beiden getrennt sind, machen sie das, was der andere nicht mag. Laurent geht gerne tanzen, Laure nicht. Laure liebt Pilzgerichte, Laurent hasst sie. Laure sieht gerne deutsche Filme, Laurent spricht immer noch nicht sehr gut Deutsch.

Allerdings ist es ein teurer Lebensstil. Laurent: „Man braucht zwei Wohnungen und ein größeres Reisebudget. Und Zeit.“ Wenn beide ganztags arbeiten würden oder Kinder hätten, könnte ihr Modell nicht funktionieren. Doch bei aller Unabhängigkeit: Gewohnheiten müssen sein. Jeden Sonntag um 11 Uhr sind sie zum Kaffee verabredet. Auch wenn sie in Paris und er in Berlin ist. Statt Skype nutzen sie das gute alte Telefon.

Sie sagt, sie hat zwei Zuhause

Eifersucht sei kein Thema, sagt Laurent. Nie habe es etwas gegeben, das ihre Beziehung in Frage gestellt habe. Laure sieht das genauso. Mit Laurent dauerhaft in Berlin zu leben, ist für sie ein Traum. Aber die Arbeit ist ihr auch wichtig. Die Beamtin hat sich auf zehn Jahre verpflichtet. Zudem möchte sie finanziell unabhängig bleiben. Nur manchmal wird Laure die Zeit der Trennung doch lang und sie vermisst Laurent. Sie kann sich vorstellen, ein Sabbatjahr zu nehmen. Außerdem hat sie Teilzeit beantragt. Sie hat viele Überstunden aufgespart, so dass sie in diesem Sommer zwei Monate in Berlin verbringen kann.

Trotz der räumlichen Entfernung bezeichnen Laurent und Laure ihre Beziehung als eng. Streit kennen sie nicht. Auch nicht in den Jahren, als sie noch tagtäglich den Alltag teilten. „Die Distanz ist nur geografisch“, sagt Laure. „Wir telefonieren fast täglich und tauschen uns dabei manchmal mehr aus, als wenn wir einen Abend in der gleichen Wohnung zusammen sitzen würden.“

Eine Kollegin hat mal zu ihr gesagt: „Wenn dein Mann dich wirklich lieben würde, würde er nicht in Berlin leben.“ Für Laure ist es komplexer. Sie hat nicht das Gefühl, eine Fernbeziehung zu leben. „Wir leben gemeinsam – wenn auch an verschiedenen Orten.“ Laure fühlt sich auch in Berlin heimisch. Sie habe eben zwei Zuhause.

Was hat sie aus der Situation gelernt? „Auch in einer Beziehung sollte man akzeptieren, dass jeder sein eigenes Leben hat. Sonst macht man zu viele Kompromisse.“

Cindy und Klaus: Telefon und Telepathie gegen die Sehnsucht

Cindy hat schon häufiger in Fernbeziehungen gelebt. Die heute 44-Jährige war in der Gastronomie tätig und über längere Zeiträume im Ausland: in Dubai, in der Schweiz und in den USA. Nach ihrer Rückkehr aus Washington nach Deutschland entschied sie sich für eine mehrjährige Beziehungspause. Eine Auszeit, die sie brauchte, um ihre eigenen Themen zu bearbeiten. Sie hatte erkannt: „Ich bin lange vor mir selbst weggerannt.“

Ein Burnout und häufige Krankheit zeigten ihr Wege in Richtung Heilung und Selbsterfahrung. Cindy machte eine Umschulung und entschied sich für einen Job in einem Call-Center. Nebenbei absolvierte sie Ausbildungen im Bereich alternative Heilmethoden wie Wasser-Shiatsu, Energieheilkunde und Traumatherapie. Zusätzlich besuchte sie eine Heilpraktikerschule.

Was Cindy nach diesen Weichenstellungen wollte, war eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Im September 2017 lernte sie Klaus auf einem Gesundheitskongress kennen. Er lud sie nach Südtirol ein. Danach kam er zu einem Selbsterfahrungsworkshop nach Berlin. Da funkte es zwischen den beiden. Mittlerweile sehen sie sich alle drei bis vier Wochen, manchmal schon nach 14 Tagen. Der Freiberufler Klaus kann öfter in Potsdam sein als die fest angestellte Cindy bei Klaus in Südtirol. Cindy gefällt der Rhythmus, denn so hat sie noch genug Zeit, sich selbst zu verwirklichen. Sie habe es noch nie verstanden, wie Menschen 24 Stunden am Tag aufeinander hocken können, sagt sie. Sie findet es wichtig, eigene Interessen zu verfolgen. „Umso intensiver kann ich anschließend die gemeinsame Zeit genießen.“

Die Lebenseinstellung verbindet

Klaus lebte über drei Jahrzehnte als Ehemann und Familienvater. Seine vier Kinder sind heute alle erwachsen, der 63-Jährige ist bereits dreifacher Großvater. 2005 erlebte Klaus, der kirchlich sehr engagiert war, einen Burnout. Er sagt: „In der Kirche ging es viel um das Leben nach dem Tod.“ Heute ist sein Leitspruch: „Es gibt auch ein Leben vor dem Tod.“ 2011 folgte die Trennung von seiner Frau. Eine Beziehung mit einer Schweizerin führte Klaus danach von Bayern nach Südtirol. Die Beziehung war problematisch. Klaus stieg für ein Jahr aus dem Beziehungskarussell aus. Auch er merkte: Ich muss erst an mir selbst arbeiten. Sein Thema bis heute: Selbstliebe.

Was das Paar verbindet, ist eine ähnliche Lebenseinstellung. Cindy: „Achtsamkeit sich selbst und dem Partner gegenüber ist wichtig – und dass Verletzungen sofort angesprochen werden.“ Wünsche und Vorstellungen sollten klar geäußert werden. Klaus findet: „Die Beziehung, die jeder zu sich selbst hat, ist die Basis und bestimmt alles andere.“

Und was ist mit Eifersucht? Für Klaus ist eine gewisse Eifersucht gesund. Es stelle sich die Frage: Wie gehe ich damit um? Für Cindy geht es um Vertrauen und Offenheit. Die beiden haben gelernt, in Unterhaltungen über sich selbst zu sprechen – ohne Schuldzuweisungen. Cindy: „Das gelingt uns mehr oder weniger. Wir haben auch unsere Baustellen.“ Der ehemalige Steuerberater Klaus, der inzwischen als Bewusstseinslehrer unterwegs ist, vermittelt anderen, was er selbst gelernt hat: „Alles, was geschieht, hat nie mit dem anderen, sondern nur mit uns selbst zu tun.“

Tun und lassen, was man will

Cindy definiert das Pendeln zwischen den zwei Ländern so: „Ich bin da zu Hause, wo ich mich wohlfühle.“ Eine Wochenendbeziehung führen sie nicht. Manchmal ist Klaus drei Wochen bei Cindy, dann sie zehn Tage bei ihm. Klar, dass sie sich auch mal vermissen. Ihr Gegenmittel gegen die Sehnsucht: „Telefonieren und Telepathieren“. Gleichzeitig genießen sie die freie Zeit, in der jeder tun und lassen kann, was er will. Cindy etwa ist gerne früh in Aktion, während Klaus den Tag lieber langsamer angeht.

Gibt es Grenzen? Die Achtsamkeit füreinander, aber auch die Freiheit ist beiden sehr wichtig. Sie können sich vorstellen, die Partnerschaft auch mal zu öffnen, unabhängig davon, wie nah oder fern sie dann voneinander leben. Und sie können sich auch vorstellen, eines Tages zusammen zu ziehen und zu arbeiten. Zwar ist die Zeit dafür noch nicht gekommen – Cindy will sich erst beruflich selbstständig machen –, aber die beiden schmieden schon Pläne. Oder vielleicht mal mit dem Wohnwagen unterwegs sein oder irgendwann mit anderen in einer Gemeinschaft leben? Beide sagen mit einer Stimme: „Mal sehen, wo das Leben uns noch hinführt.“

Rose und Anthony: Die Distanz hat sie näher zusammengebracht

Rose und Anthony begegneten sich das erste Mal 1987 in London. Anthony war ein Studienfreund von Roses Bruder. Er suchte ein Zimmer und zog bei Rose ein. Die beiden waren lange Freunde, bevor sie ein Paar wurden. Doch nach zwei Jahren brach ihre Beziehung auseinander und Rose hatte eine längere Beziehung mit einem anderen Mann. Als sie vier Jahre später wieder mit Anthony zusammen kam, war dieser nach Berlin gezogen, wo er als Möbeldesigner arbeitete. Rose hatte keinen richtigen Plan, wie ihr Leben weitergehen sollte. Aber nach Berlin zu gehen, das fand die heute 57-Jährige toll.

Beruflich sah es weniger gut aus. Angeboten wurden ihr nur schlecht bezahlte Zeitarbeitsjobs mit miesen Bedingungen. Anthony stand im Job sehr unter Druck und verdiente als Möbeldesigner auch nicht viel. Dennoch übernahm er die Miete und die meisten anderen Ausgaben. „Das war nicht gut für die Beziehung“, sagt Rose rückblickend.

Die ehemalige Kunstkritikerin war aus London zwar prekäre Beschäftigungsverhältnisse gewöhnt. Irgendwann aber hatte sie genug davon. Ihr Bruder, der in London im Gesundheitssektor in der Verwaltung arbeitete, erzählte ihr, dass dort dringend Mitarbeiter gesucht werden. Ein Job als Medizinische Sekretärin bot Rose nun finanzielle Sicherheit. Das finanzielle Polster, das sie ansparen konnte, reichte für regelmäßige Aufenthalte in Berlin. Das Schreiben wurde zum Hobby.

Andere kritisieren ihre Beziehung

2004 heirateten Rose und Anthony. Als Anthonys Mutter starb, konnte sich der heute 62-Jährige einen Traum erfüllen und in Brandenburg ein Haus bauen. Währenddessen lebte Rose die meiste Zeit des Jahres in einem armen Stadtteil von London. Immer mal wieder gab es Momente, in denen ihr Anthony fehlte. Obwohl sie nun eine verheiratete Frau war, wurde Rose in ihrem Quartier als Alleinstehende wahrgenommen und so behandelt. Im Falle von lärmenden Nachbarn hätte ein Mann an ihrer Seite für Respekt sorgen können, glaubt sie.

Immer wieder gibt es Leute, die meinen, Rose und Anthony würden eigentlich gar keine richtige Beziehung führen. Rose: „Wir sind anders als andere. Aber unsere Beziehung passt zu uns.“ Beide sind Einzelgänger. Rose stammt aus einer Familie mit elf Kindern. Nie gab es genügend Raum und Zeit für alle. Anthony wiederum ist mit seiner Arbeit verheiratet. Wenn er Möbel oder Bühnenbilder baut, ist er manchmal kaum ansprechbar. Obwohl beide häufig allein sind, fühlen sie sich nicht einsam. Anthony: „Als mürrischer alter Mann bin ich manchmal ganz zufrieden, nur meine Katzen um mich zu haben.“

Eifersucht war vor zehn Jahren mal ein Thema. Vor allem in Roses Kopf. Da gab es einige attraktive Frauen, die an Anthony interessiert waren. Vor allem eine, die ständig zu Besuch kam, wenn Rose in England war. Rose stellte sich vor, was diese Frauen wohl dächten: „Der arme Anthony. Wenn du nicht in seiner Nähe bist, bist du selbst schuld.“ Rose entschloss sich, Anthony als erwachsenen Mann anzusehen, der sich für ein Zusammenleben mit ihr entschieden hatte. Gemeinsam definierten sie die Grenzen neu. Das funktionierte. Sie ist überzeugt: „Es kann auch passieren, wenn du im selben Haus lebst.“

Respekt trägt ihre Ehe

Rose und Anthony haben über die Jahre viel Respekt füreinander entwickelt und kommen die meiste Zeit gut miteinander aus. Seit kurzem kommt Anthony sie und ihre Familie wieder viel häufiger in London besuchen. Ironischerweise sind sie sich über die Distanz näher gekommen.

Beide können sich inzwischen vorstellen, ganz zusammenzuleben. Rose denkt darüber nach, nach Brandenburg zu ziehen und hofft, über ein Home Office weiterarbeiten zu können. Auf eigenes Geld will sie auch in Zukunft nicht verzichten. „Es ist so unglaublich wichtig für das Selbstwertgefühl.“ Anthony jedenfalls ist bereit für eine gemeinsame Zukunft unter einem Dach: „Wir haben es früher geschafft. Da werden wir es auch jetzt hinbekommen.“

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